Das eisige Tor

 


Bedeckt von Frostes Eiseshauch
ruht einsam hier der Cocytus,
der Schicksalsfäden kaltes End'.
Durch kühle Luft tanzt gar behänd'
das Flockenspiel als Grabesgruß
in Winters Reich nach altem Brauch.


Dem Leben fern ist auch der Wald
am Ufer jenes frost'gen Wegs
der hin zum dunklen Orkus führt.
Doch wo der Tod die Welt berührt,
inmitten spiegelnd Hades-Stegs,
stellt Einsamkeit die Staatsgewalt.


So harrt ein schweigend' Schattenpaar
verschlung'ner Weise Arm in Arm
auf den Befehl des Thanatos.
Wo einst der Tränen Reigen floss,
wo Sehnsucht strahlte ach so warm,
herrscht Kälte nun, Gefühl ist rar.


Und so rinnt des Lebens Zeit
dahin in Vater Chronos' Uhr
nach der ein jeder Mensch wohl lebt.
Das Ende naht, die Erde bebt
und bricht des Flusses Eis-Natur
auf der die Schatten steh'n bereit.


Sie wissen wohl, es soll so sein
und sinken brav ins Höllenreich,
doch keine Klage dringt hervor.
Dann friert erneut das nasse Tor
und Schnee bedeckt das Grab sogleich,
in das man stürzt allein.