Ignatius 1 – Das Biest

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„Jetzt Mina!“

Die raue Stimme des Hexenjägers rast durch den Wald ähnlich einem wilden Tier, dass seine Beute attackiert. Wie vom Tode selbst getrieben stürmt der hagere Mann durch das Geäst des Waldes. Sein brauner Ledermantel weht bedrohlich umher, ähnlich einem Vorhang der Nacht der sich über das Land legt. Sein schwarzer Krempenhut bietet einen furchtbaren Windfang, doch sitzt er wie angegossen und macht keinerlei Anstalten ihm vom Kopf zu wehen. Allerlei Wurzeln und kleine Sträucher behindern sein Vorankommen. Er hält eine seltsame Armbrust in der Hand, die sich wie ein Schraubstock um den Griff legt. Nein, nicht er wird gejagt. Er ist selbst der Jäger. Nichts scheint ihn stoppen zu können und der Schatten welcher vor ihm flüchtet scheint sich der Gefahr dieses humanoiden Raubtiers wahrlich bewusst zu sein, denn in unnatürlicher Weise rennt es… um sein Leben. Der Hexenjäger hat das Gelände vor sich fest im Blick, doch fixiert er nicht den Schatten der da durch das Unterholz rast. Seine Aufmerksamkeit gilt einem speziellen Punkt in einiger Entfernung. Ein weiterer Schatten der an etwas zu ziehen scheint ist der Blickfang des Jägers. Kaum hat der Schatten seine seltsame Geste vollführt, ist der Gejagte plötzlich verschwunden. Der Hexenjäger bleibt jedoch unbeirrt auf seinem Pfade, wohl wissend was dort auf ihn lauert.

„Ignatius, ich hab es! Schnell, vernichte es! Ich kann es nicht mehr lang halten!“

Der Hexenjäger erreicht den Schatten, welcher sich als eine junge Kesvan Deikshu Frau entpuppt. Sie zerrt wie wild an einem Seil. Langsam zieht der Hexenjäger einen kleinen Pfeil, welcher mehr einem zu großen Zahnstocher als einer Waffe ähnelt, aus einem Täschchen an seinem Gürtel. Er bewegt es zu seinem Gesicht und begutachtet es aufmerksam.

„Ah, es gibt nichts schöneres als den Geruch von einem Höllengiftpfeil am Abend…“

Grinsend spannt er langsam den Pfeil in eine der Halterungen an seiner Armbrust und zieht die Sehne zurück. Allmählich hebt er seinen Kopf um seine Beute zu fixieren welche emsig in dem Netz an einer Fichte über ihm herumzappelt, in der Hoffnung lebend davonzukommen. Die eisblauen Augen des Mannes beginnen das Opfer anzupeilen und er richtet seine Waffe aus. Nur ein leises „zock!“ schwingt noch durch den Nachtwind, dann verstummt auch das verzweifelte Knurren des pelzigen Wesens das seine Reise unfreiwillig im Netz beendete. Noch einmal verkrampft sich der Körper des Wesens als sich das Gift in seinem Körper ausbreitet, dann fällt der Leib schlaff zusammen.

„Diese Diener der Ilindura würden jetzt wohl sagen, du seiest gereinigt. Ich sage einfach, verrecke Abschaum… Und atme uns nicht mehr die Luft weg, hehehehe.“

Mit einem gemeinen Lachen hängt der erfolgreiche Jäger seine Armbrust in eine Halterung an der Innenseite seines Mantels. Die junge Orkfrau kann das Gewicht des Opfers nicht mehr halten und lässt das Seil los. Aufgrund des fehlenden Gegengewichts fällt sie jedoch einfach nur auf ihren Po. Das Netz mit dem toten Wesen fällt unter einem dumpfen Aufprall zu Boden.

„Au! Mann, Ignatius, ihr hättet dieses Vieh auch schneller erledigen können. Das war verdammt schwer…“

Der Mann wendet sich der Orkfrau zu, welche Mina genannt wird.

„Mina, du musst noch viel lernen. Es geht nicht einfach darum das Opfer zu vernichten. Nein, die Jagd ist wie ein Spiel in dem du deinem Gegner zeigst, dass du ihm vollkommen überlegen bist. Aber egal…“

Der Mann entfernt den Kadaver aus dem Netz und legt ihn auf seine Schulter.

„Wickel das Netz ein Mina… Wir gehen wieder zurück zu der Taverne wo unser Geld wartet…“

Mina erhebt sich eilig vom Boden als sie sieht, dass Ignatius bereits kehrt macht und losgeht. Nur flüchtig klopft sie den Schmutz von ihrer Hose und wickelt hastig das Netz ein, verstaut es in ihrem Rucksack und eilt dem Mann hinterher. Er scheint nicht in Eile zu sein und so ist es kein Problem für Mina ihn schnell wieder zu erreichen. Der volle Mond kriecht langsam aus seinem Wolkenversteck hervor und scheint durch das belaubte Geäst des Waldes. Nun ist es ein leichtes

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den schmalen Waldpfad zu erkennen.

Schweigend legen die beiden ein großes Wegstück zurück, dann scheint ein Licht aus der Ferne. Es ist das Licht der gesuchten Taverne welches durch ein kleines Fenster scheint. Die Taverne ist klein und aus Holz gebaut, sie sieht recht verloren aus auf der großen Lichtung. Nur eine Etage und auf der Rückseite ein kleiner Stall für die Pferde der ohnehin wenigen Gäste. Im Licht des Mondes erkennt man nur schwach den Rauch der aus dem Schornstein aufsteigt. An der Tür angekommen wendet sich Mina doch noch einmal ihrem Begleiter zu.

„Ignatius, woher wusstet ihr eigentlich, dass das Vieh in die Falle rennen wird, ohne sie zu bemerken?“

Grinsend wendet sich dieser Mina zu.

„Wieso sollte ich es gewusst haben, ich habe es lediglich gehofft.“

Mit einem Grinsen auf den Lippen zieht er den Hut tiefer ins Gesicht und öffnet die Tavernentür. Diese öffnet sich unter einem leichten Knarren und gibt den Blick auf einen freundlich wirkenden erleuchteten Raum frei. Einige Gäste haben sich ein Plätzchen in den dunkleren Ecken der Taverne gesucht. Ein paar andere sitzen an der Bar. Der Hexenjäger tritt zuerst ein und alles wendet sich dem seltsamen Mann zu dessen Schritte den gewöhnlichen Lärm der Taverne übertönen. Zielstrebig geht er auf die Bar zu hinter der der Wirt einen Krug säubert. Flüstern zischt durch den Raum…

„Wer ist das denn?“

„Kennst du den nicht? Das ist Hexenjäger Ignatius. Komischer Kerl, keiner weiß wo er eigentlich herkommt, aber eins ist sicher, er hat ein Rad ab…“

„Warum?“

„Naja, weiß nicht ob es stimmt, aber man erzählt sich er hätte seine Eltern an einen Vampir verloren… Naja, und das hat ihn so getroffen, dass er sich ’nen Pflock geschnitzt hat und den erlegt hat.“
“Ne, das glaub ich nicht, das is Schwachsinn.“

„Ich hab ja gehört er wär ein Heiliger, ein Gesandter unserer Göttin…“

„Schöner Heiliger, wenn der uns retten soll, dann gute Nacht…“

„Eins ist sicher, wo der auftaucht ist was faul…“

Mit Schwung packt Ignatius das tote Wesen auf die Theke und grinst den Wirt an.

„Da ist euer menschenfressendes Monster.“

Der Wirt schaut sich das Ganze an und meint nur.

„Jaja, packt das weg, das ist doch unhygienisch.“

Einer der Tavernengäste der das tote Etwas begutachtet hat fängt laut an zu lachen.

„Hahaha! Dieser Filou soll Menschen fressen?! Die Viecher fressen eigentlich nichts was größer als sie ist.“

Der Hexenjäger dreht sich zu dem Gast und spricht.

„Ja, seht nur. Der Herr Wirt ist eben ein großzügiger Mensch. Er zahlt mir für dieses kleine Fellbündel was ein kleiner Troll wert ist.“

Schnell wendet sich der Hexenjäger wieder dem Wirt zu. Mit der rechten Hand nimmt er ein kleines Beutelchen von seinem Gürtel und öffnet es. Einige Goldstücke kommen zum Vorschein.

„Seht wie leer mein Beutel ist. Ich hoffe ihr werdet ihn schnell füllen Herr Wirt.“

Der Hexenjäger starrt den Wirt auf seine unnachahmliche Weise an, bei der er es schafft sein Gegenüber zu beobachten und dabei den Hut so tief im Gesicht zu haben, dass man seine Augen nicht erkennt. Die Gäste beobachten den Hexenjäger schon seit er das Zimmer betrat doch schon betritt ein neuer Blickfang den Raum und alle Augen wandern zur Tür als Mina nun auch hereintritt. Sie tritt an Ignatius Seite und setzt den schweren Rucksack auf den Boden. Verwundert über die gaffenden Tavernengäste ist sie verunsichert und versucht die Blicke einfach zu ignorieren… Innerlich kämpft sie mit dem Gedanken, dass man sie anstarrt, da sie ein Schwarzork ist und diese keinen hohen Wert in der Gesellschaft von Shaseria einnehmen. Doch das wieder aufkeimende Flüstern belehrt sie eines besseren.

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„Aber hallo! Wer ist das denn?!“

„Hmm, muss wohl diese Orkfrau sein die mit dem Hexenjäger unterwegs ist. Nennt sich glaub ich Mina Skyte.“

„Wie’n Ork sieht die aber nicht aus… Wenn du weißt was ich meine… Hehehe…“

Und wahrlich, Ignatius Begleitung konnte so mancher Menschenfrau die Schau stehlen. Gerade einmal 16 Jahre alt trieb sie die Abenteuerlust hinaus in die Welt wo sie den verschrobenen Hexenjäger Ignatius kennen lernte. Dieser nahm sie gern mit auf Reisen, doch war ihm hauptsächlich daran gelegen, dass er nun seine Ausrüstung nicht mehr selbst tragen musste… Sie ist Teil einer sehr jungen Schwarzork Generation und so sind die meisten Spuren ihrer orkischen Vettern bereits verschwunden. Eine glänzende dunkelgrüne Haut ziert den Körper der recht zierlichen Mina. Ihr mittellanges schwarzes Haar bildet den Rahmen eines bereits sehr menschlichen Gesichts, eines symmetrischen aus dem sich eine ebenso zierliche Nase zwischen zwei freundlichen, wenn auch nun etwas verunsicherten, dunkelbraunen Augen erhebt. Lediglich die vier spitzen, wenn auch nicht allzu großen Eckzähne zeugen noch von ihren unmenschlichen Wurzeln.

„Nun Wirt, ich warte auf mein Geld…“

Langsam scheint der Hexenjäger ungeduldig zu werden, denn es macht den Anschein als wollte ihn der Herr auf der anderen Thekenseite gerade über den Tisch ziehen.

„Ihr glaubt doch nicht echt, dass ich euch einen Troll auszahle… Ich sagte euch doch es ist nur ein Filou und weil ihr ja Geld brauchtet wolltet ihr ihn fangen…“

Doch der recht kleinlaute Ton des Wirts beeindruckt Ignatius in keinster Weise.

„Mein Gold, ich warte….“

„Vergesst es, wenn ihr mir so kommt, dann geb ich euch einfach gar nichts… Ich lass mich doch nicht von so einem dahergelaufenen Monsterjäger ausnehmen.“

Gelangweilt poliert der Wirt einen Krug. Ohne ein Wort zu sagen deutet der Hexenjäger seiner Begleiterin ihm den Rucksack zu geben. Er öffnet eine kleine Seitentasche und zieht eine rote Röhre mit einem kleinen silbernen Verschluss heraus.

„Nun Wirt… Mein Gold, ich warte…“

„Vergesst es Hexenjäger, ich werde euch nicht eine Münze zahlen. Ich lasse mich doch nicht vor meinen Gästen lächerlich machen.“

„Wie ihr wollt…“

Mit einem Ruck seines Daumes drückt Ignatius den Deckel von der Oberseite der Röhre. Aus der nun offenen Röhre beginnt ein seltsamer Rauch aufzusteigen.

„Wenn ihr meint mich ausräuchern zu können, dann liegt ihr falsch. Mit solchen Kinkerlitzchen könnt ihr mich nicht beeindrucken…“

„10“

„Hä? Was wollt ihr?“

„9“

Einer der Gäste begutachtet die kleine Röhre in der Hand des Hexenjägers und als er erkennt was denn das so verdächtig dampft weiten sich seine Augen zu einem entsetzten Blick. Nur eine Warnung brüllt er in den Raum bevor er hinter einen umgeworfenen Tisch springt.

„Pyrobombe!“

„8“

„Was?!“

Alle Gäste springen erschrocken in Deckung. Erst jetzt erkennt der Wirt die Lage und fleht den Hexenjäger an dieses Ding aus zu machen.

„7“

„Verdammt, was wollt ihr von mir?!“

„6“

„Ja, ich geb euch das verdammte Gold was ich euch versprochen hab! Und jetzt knipst es aus!“

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Zufrieden lächelnd holt der Hexenjäger aus und wirft die kleine rote Röhre aus einem der Fenster, dessen Scheibe unter dem unzufriedenen Blick des Wirtes zu Bruch geht.

Vorsichtig heben sich die Köpfe der Gäste um nach dem Rechten zu schauen.

„Und? Öhm, das Ding war ja gar nicht echt…“

Doch kaum hat der Wirt diesen Satz zu Ende gebracht, zeigt das kleine Röhrchen die in ihm steckende Kraft und explodiert in einem glühenden Feuerball, welcher den kleinen Zaun neben dem Haus wegreißt.

„Mein neuer Zaun!“

„Nun Wirt, stellt euch vor ich hätte diesen kleinen Freund durch die Tür ins Nebenzimmer geworfen…“

„Verdammt, den Zaun bezahlt ihr mir!“

Der Hexenjäger schüttelt nur den Kopf und zieht schweigend ein weiteres Exemplar dieser explosiven Gerätschaften aus der Tasche.

„Nein! Ist schon gut, hier ist euer Gold…“

Trübsinnig schiebt der Wirt ein kleines Säckchen über die Theke welches der Hexenjäger zufrieden in seinen Geldbeutel packt.

Er hängt den Geldbeutel wieder an seinen Gürtel und zieht noch einmal den Hut zurecht, bevor er seiner Begleitung zuwinkt. Diese schnappt sich den Rucksack und folgt Ignatius.

Einer der Gäste schaut Ignatius beim Verlassen des Zimmers hinterher.

„Das war also Ignatius…. Wahnsinniger….“

Der Mond steht noch immer hoch am Himmel und hüllt die Jäger in sein silbernes Licht. Sie wandern den kleinen Waldweg entlang, welchen auch sonst oft Händler nutzten. Tiefe von Rädern gezogene Furchen bilden schwer zu entdeckende Stolperfallen auf dem schlammigen Boden. Wohin die beiden gehen, das wissen sie selbst nicht. Nur eines ist sicher, sie folgen dem verlockenden Ruf glitzernden Goldes. Mina reiste nun schon ein Jahr an Ignatius Seite und noch immer wusste sie nicht mehr über den finsteren Gesellen als zuvor. Nur eines ist sicher, es scheint mehr hinter ihm zu stecken als die bloße Gier nach Reichtum, denn er verfolgte nur Kreaturen die den Menschen Schaden zufügten. Sollte es ein Sinn für Gerechtigkeit sein, der ihn immer weiter treibt oder ist es doch mehr…?

Gelangweilt durch das Schweigen Ignatius‘ beginnt Mina zu sprechen.

„Wohin gehen wir nun?“

Doch der Hexenjäger schweigt beharrlich weiter, denn sie wissen beide zu genau, dass dies eine Reise ohne Weg ist. Ein leichter Seufzer fährt in die Brust der Orkin. Doch zeigt der Hexenjäger nun ein Anzeichen von Interesse und lässt seinen Blick zur Seite wandern ohne dabei den Kopf zu wenden.

„Lass uns nach Grenada gehen. Dort gibt es sicher etwas zu tun.“

Erst zeigt sich Erstaunen in Minas Gesicht, dann wechselt dieses jedoch zu einem Lächeln. Hat der Schweigsame nun endlich einmal etwas gesagt und ihr geantwortet. Der Weg ist ohnehin nicht allzu weit. Errichtet wurde die Stadt vom Kaiserreich Shaseria um den Angriffen der westlichen Fürsten ein Ende zu bereiten. Sie bildet die erste Verteidigung gegen jegliche Angriffe aus den westlichen Ländern. Aufgrund ihrer Nähe zum Feind und der Tatsache, dass in den Wäldern der Grenzgrafschaften viele seltsame Kreaturen leben ist sie schon oft ein lohnenswertes Reiseziel für den Hexenjäger gewesen. Wenngleich ihn die Grenze als solche in keinster Weise interessiert, denn auch die Diener der westlichen Fürsten besitzen Gold und in entsprechenden Angelegenheiten sitzt es ihnen sehr locker. Nach einigen Metern schaut der Hexenjäger noch einmal zu seiner Begleitung herüber, sich wundernd warum diese denn auf einmal so schweigsam ist. Doch an ihrem erwartungsvollen Blick erkennt er, dass sie wohl schon in Gedanken an die für sie so fremde Menschenstadt versunken ist. Stammt sie doch aus dem kleinen Hafenstädtchen Girok’Onas wo die Kesvan Deikshu unter sich leben. Nur selten verirren sich Vertreter andere Völker dorthin. Noch oft

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denkt sie zurück an das Dorf und ihre Eltern die immer sagten, dass es in der Welt doch nichts zu finden gibt als den Tod. Nur der Älteste stand auf ihrer Seite und ließ sie gehen. Doch seit dem Beginn ihrer Wanderschaft kehrte sie nicht mehr zurück in ihre Heimat. Nichtsahnend schreiten beide weiter auf dem schlammigen Pfad voran als plötzlich der helle Schrei einer Frau die Stille der Nacht durchbricht. Wissend dass wohl Gefahr im Verzug ist zieht der Hexenjäger schon automatisch die Armbrust aus der Innenseite seines Mantels und lädt einen gewöhnlichen Bolzen hinein. Mina, nun aus ihren schönen Fantasien gerissen zieht ihren Dolch und eilt dem voraus rennenden Hexenjäger hinterher. Wieder erklingt das Schreien der Frau, doch diesmal viel näher und es scheint als würde es noch näher kommen. Ignatius ortet es auf dem Pfad vor sich und schon erkennt er den verschwommenen Umriss eines Menschen der vor etwas zu flüchten scheint. Nun durch ein Zeichen des Lebens angespornt rennt der Hexenjäger in brachialster Weise den Weg entlang, woraufhin der Schlamm wild umherspritzt und auch seine Spuren am Mantel hinterlässt. Als Ignatius die Frau erreicht, rennt diese in seine Arme und klammert sich schutzsuchend an ihn.

„Was ist passiert?“

Doch die Frau ist nicht fähig zu sprechen, nur Schluchzen bringt sie Ignatius entgegen, dann erreicht auch Mina Ignatius, bleibt neben ihm stehen und geht keuchend in die Knie. Doch die Frau nimmt sie nicht Gewahr. Langsam hebt sie ihr verweintes Antlitz und blickt dem Hexenjäger mit tränenunterlaufenen Augen ins Gesicht.

„Es… hat meinen Mann… Bitte, helft ihm…“

Nur schwach dringen die Worte an das Ohr Ignatius‘, doch allein die Tatsache, dass „Etwas“ einen Menschen bedroht ist ihm Grund genug dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Mina, welche wieder genug Kräfte gesammelt hat, dreht ihren Kopf zu Seite und fragt die Frau wo das Monster denn sei. Diese hebt nur schweigend den Arm und deutet auf den Weg hinter sich ohne dabei jedoch ihren Blick herumzuwenden. Ignatius schaut mit ernster Miene zu seiner Begleitung, Mina bleibt schweigend. Dann drückt er die Frau von sich und sagt ihr, sie solle bei der jungen Orkin bleiben. Dann hebt er seine Armbrust und macht sich erneut auf den Weg, den Schrecken am Ende des Weges zu finden und gegebenenfalls zu eliminieren. Suchend wandert sein Blick durch das im Mondlicht erleuchtete Gesträuch das sich zu beiden Seiten des Weges erstreckt, doch keinerlei verdächtige Aktivität ist zu sehen. Plötzlich eine Stimme, welche jemanden anzuschreien scheint. Diesmal jedoch die eines Mannes. Ist es der Gesuchte? Die Stimme scheint nicht sehr weit entfernt und so bremst der Hexenjäger um langsamer weiter zu gehen. Das Strauchwerk des Waldes lichtet sich auf der rechten Seite des Weges und gibt den Blick auf eine Ebene frei. Bei genauerem Hinsehen erkennt Ignatius nun auch die Silhouette einiger Häuser und Lichter die davor herumwandern. Von dort muss die Stimme kommen. Mit diesem Gedanken begibt sich der Hexenjäger zu eben diesen Lichtern die sich als Fackeln entpuppen. Mehrere Männer welche mit Fackeln und allerlei scharfen Gegenständen bewaffnet sind sammeln sich um eine Scheune. Einer der Männer schreit durch das offene Tor.

„Komm raus du Biest und stelle dich uns!“

Der Hexenjäger erkennt schnell die Situation und stärkt den Griff um seine Armbrust. Wer weiß was sich da diesmal in das Territorium der Menschen verirrt hat.

„Was ist los?“, fragt er in die Menge herein.

Einer der Männer, welcher mit einer Mistgabel bewaffnet ist, wendet sich ihm zu, während die anderen weiter darauf warten zu scheinen, dass etwas heraus kommt.

„Ich weiß nicht, warum es euch interessiert, aber ein Monster hat Bjorn, einen unserer Leute, überrascht als er in der Scheune war. Und jetzt wollen wir das Vieh erlegen.“

Der Hexenjäger lauscht den Worten des Mannes, doch mustert er nur die offene Scheune.

„Was ist es?“, fragt er nur trocken und berechnend.

„Keine Ahnung, aber ist doch auch egal.“

Verwundert mustert der Mann die geladene Armbrust des seltsamen Hutträgers.

„Aber es scheint als würdet ihr euch mit derlei Dingen auskennen.“

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„Sagen wir ich habe schon einiges gesehen…“

Einer der Männer der eine Sichel in der Hand trägt, tritt vorsichtig an das offene Scheunentor heran. Schweiß rinnt seine Stirn herab, Angstschweiß, denn trotz seiner drohenden Gebärde scheint ihm bewusst zu sein, dass das, was da drin lauert, eine echte Gefahr darstellt. Dann ertönt ein Knurren, welches alle Männer zusammenzucken lässt. Das dumpfe Geräusch von unbeschuhten Füßen die über den Boden wandern, lässt den Sichelträger langsam zurückweichen. Als das Knurren dann noch durch zwei glitzernde Augen im Tor eine Gestalt bekommt, versucht der Mann noch schnell kehrt zu machen und zu flüchten. Nur schlecht erkennt Ignatius im Schein der wenigen Fackeln was da vor sich geht. Dann erscheint eine pelzige Hand die aus dem Scheunentor schnellt und den schreienden Mann am Kragen packt. Wie eine Maus welche schon in den Fängen der Katze ist, zappelt der Mann hin und her doch er kann sich nicht gegen das Wesen wehren, dass ihn langsam in die Luft hebt. Dann ein weiterer Schrei, ein Schmerzensschrei. Und diesem folgen weitere. Während die Männer nur von Flucht und Angriff hin und hergerissen dastehen, konzentriert sich der Hexenjäger genauer und meint eine Art Kratzen zwischen den Schreien zu erkennen. Doch als das zerfetzte Hemd des Bauern herunterfällt, zeigt sich, dass die Bestie den Mann mit ihren Klauen malträtiert hatte. Erst als die Schreie des Mannes verstummen lässt die Bestie ihn fallen und tritt langsam in den Schein der Fackeln. Ein seltsames Wesen kommt aus dem Scheunentor herausgetreten. Auf zwei Beinen laufend, wenn auch leicht gebückt. Der ganze Körper ist von einem dichten grauen Fell eingehüllt und zwei spitze Ohren zieren den Kopf. Der Kopf selbst ist jedoch menschlich ausgeprägt. Es trägt nur eine zerfetzte braune Hose am Leib. Die Männer erkennen das Wesen und weichen einige Schritte zurück, während das Monster die spitzen Zähne fletscht und sie mit seinen gelben Augen fixiert. Der Hexenjäger bleibt ruhig und versucht zu erkennen um was es sich handelt. Sein erster Gedanke ist, dass es sich wohl um einen Werwolf handelt, doch sieht es nicht wirklich wie ein entsprechender aus. Dann überkommt einen der Männer plötzlich der Heldenmut und er rennt mir gehobener Mistgabel auf das Monster zu. Dieses ist der Gefahr jedoch sehr schnell gewahr und schnappt sich einfach die Waffe an der mittleren Zacke. Der Mann wird dadurch unsanft gebremst, kann die Mistgabel nicht mehr halten und geht zu Boden, wobei er sich das Gesicht und die Arme aufreißt. Betäubt liegt er am Boden, das Wesen jedoch schaut sich die Mistgabel an, nimmt sie dann in beide Pfoten und zerbricht sie einfach. Die Männer sind durch die pure Stärke des Monsters nun endgültig eingeschüchtert und treten ängstlich weiter zurück, so dass Ignatius nun einsam seine Position hält. Doch das Monster wendet sich nicht dem Menschenpulk oder dem Hexenjäger zu, sondern dem zu Boden gegangen Mann, welcher wieder zu Bewusstsein kommt und nun versucht langsam davon zu kriechen. Es hebt ihn langsam mit beiden Armen in die Luft, während dieser grässlich um sein Leben kreischt und panisch mit den Armen um sich haut. Dann biegt das Monster den Körper in einem Ruck nach hinten, woraufhin ein furchtbares Knacken das Flehen des Mannes beendet. Dann lässt es den toten Körper zu Boden fallen. Zielstrebig geht es auf die Männer zu und Ignatius richtet langsam die Armbrust auf den Kopf des Biestes, da dies wohl die einzige Chance sein könnte, bevor es alle Anwesenden zerreißt. Doch ein heranfliegender Stein der den Kopf des Monsters trifft bringt die ganze Situation durcheinander. Von dem Geschoss zwar nicht verletzt aber gestört wendet sich das Monster zur Seite und scheint ein neues Ziel anzupeilen. Ignatius versucht zu erkennen wer ihn denn da unterstützt und erkennt in dem Schatten am Waldrand Mina, welche das Monster abzulenken versucht.

„Ignatius! Schnell, jetzt!“

Kaum hat der Hexenjäger Minas Stimme vernommen, richtet er erneut die Waffe auf das Monster ohne dabei jedoch ernsthaft zu zielen, denn würde er nicht schnell genug angreifen, dann wäre dies wohl das Ende von Mina. Der Bolzen zischt von der Sehne der Armbrust und trifft das Biest direkt in der Seite. Der Bolzen bohrt sich tief ins Fleisch und das Monster jault fürchterlich. Die Wunde scheint doch zu groß und so sucht das Monster sein Heil in der Flucht. Es fällt auf alle Vier und rennt in die Finsternis des Waldes. Zufrieden über die Wirkung des Bolzens lässt Ignatius die

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Armbrust sinken und atmet tief durch. Die Männer sind erst noch verunsichert ob denn das Monster wirklich weg ist. Erst als Mina mit der Frau aus dem Wald zu Ignatius tritt, gehen auch sie auf ihn zu. Sie bedanken sich in heftigster Weise bei dem Hexenjäger und seiner Begleitung, fragen wer er denn sei und bieten den beiden ein Lager für die Nacht an. Ignatius nimmt dieses Angebot gerne an und beschließt alles weitere am nächsten Morgen zu bereden. Sie folgen der Frau aus dem Wald, welche sich, nun wieder etwas gesammelt als Tamara vorstellt, zu ihrem Haus. Sie führt die beiden in ein kleines Gästezimmer, wünscht eine gute Nacht und schließt die Tür. Mina begutachtet den Raum. Das Zimmer hat zwei kleine verdreckte Fenster und ist mit schweren Holzmöbeln eingerichtet. An einer der Wände sorgt das Feuer in einem Kamin für Wärme und Licht. Doch nur ein Bett befindet sich in dem Raum und so wendet sich Mina Ignatius zu, dieser hat jedoch längst in einem Sessel Platz genommen und legt seine Stiefel auf einen kleinen Beistelltisch.

„Dann nehme ich das Bett…“

Ohne etwas zu sagen zieht der Hexenjäger seinen Hut ins Gesicht.

Jemand klopft an der Tür. Durch das Geräusch geweckt hebt der Hexenjäger seinen Hut und wird erst einmal von den hereinscheinenden Sonnenstrahlen geblendet. Dann blickt er zu seiner Linken und sieht wie Mina an der Tür steht und mit Tamara spricht. Noch etwas müde von der letzten Nacht streckt er sich und erhebt sich dann. Die Frau des Hauses bittet die beiden ihr zu folgen, da sie das Frühstück bereits vorbereitet hat. Sie führt die beiden in eine kleine Küche in der ein reich gedeckter Tisch steht. Dann nehmen sie Platz und Mina beginnt mit funkelnden Augen zu essen. Ignatius wendet sich jedoch erst der essenden Tamara zu.

„Nun erzählt einmal von Anfang an, was hier eigentlich vorgefallen ist.“

Die Frau hebt ihren Kopf nur um ihn dann gleich wieder betrübt zu Boden sinken zu lassen.

„Nun, es begann zu dämmern. Ich ging in die Küche um Feuer im Ofen zu machen, denn ich musste noch das Abendessen vorbereiten. Bjorn, das heißt… mein Mann, sagte er wolle noch eben etwas draußen in der Scheune erledigen. Ich wunderte mich zwar, was er denn da noch wolle, doch war ich beschäftigt und so dachte ich nicht weiter darüber nach. Doch als ich mit dem Essen fertig war und ich am gedeckten Tisch saß wunderte ich mich, warum er denn immer noch nicht wieder im Haus war. Ich ging hinaus um einmal nach dem rechten zu sehen. Naja, ich nahm meine Lampe und wanderte hinüber zur Scheune. Ich war schon verwundert kein Licht zu sehen, doch dann fand ich statt meinem Mann dieses Vieh in der Scheune…“

Die Frau beginnt zu weinen… Mina betrachtet sie während des Sprechens genauer. Sie hat langes hellblondes Haar und scheint noch recht jung, wohl in den Zwanzigern. Eine recht hübsche Frau für eine Bäuerin. Ignatius hat jedoch keinen wirklichen Blick für die Frau und fragt direkt weiter nach.

„Wieso hat es euch nicht angegriffen? Ihr wärt sicher nicht mehr am Leben wenn es euch hätte töten wollen.“

Die Frau hält kurz mit dem Schluchzen inne um wieder zu sprechen.

„Ich weiß es doch auch nicht… Ilindura hatte mich wohl beschützt.“

Bei diesen Worten nimmt sie einen kleinen silbernen Anhänger den sie am Hals trägt in ihre Hände. Es scheint eine geflügelte Gestalt zu sein, wohl die Darstellung eines Engels. Mina sieht den Anhänger und fragt, woher sie denn dieses schöne Stück hätte. Die Frau erzählt, ihr Mann habe es ihr als Hochzeitsgeschenk gegeben. Es solle sie vor dem Bösen bewahren. Ignatius schaut jedoch nur kritisch und spricht weiter.

„Nun, ich glaube mit der hat das wenig zu tun…“

Nachdem sie fertig gegessen haben, verlassen sie das Haus und Ignatius versichert ihr, sich die Sache mal genauer anzusehen. Im Lichte des Tages ist nun zu erkennen, dass es sich hier wohl um eine Farm handelt. Mehrere Wohnhäuser, eine große Scheune und ein Silo für das Getreide der Gerstenfelder welche sich auf der nördlichen Seite der Farm sanft im Wind hin und her wiegen. Ignatius schaut sich suchend um, in der Hoffnung etwas verdächtiges zu sehen. Dann lauscht er einen Augenblick und deutet Mina es ihm gleich zu tun.

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„Ich kann nichts besonderes hören Ignatius…“

„Eben. Das soll eine Farm sein? Man hört aber keine Tiere…. Naja, lass uns einmal die Scheune anschauen.“

Dann gehen die beiden um das Haus herum und stehen der immer noch geöffneten Scheune gegenüber vor der sich einige der Männer versammelt haben. Sie haben zwei Tragen dabei und versuchen wohl die Toten der Vornacht weg zu bringen. Mina schaut sich die Sache lieber aus der Entfernung an, denn der erste wurde von dem Monster doch recht übel zugerichtet. Ignatius tritt zu den Männern und fragt sie als erstes, wer denn die Toten waren. Die Männer berichten ihm, dass der zweite Igor genannt wurde. Er lebte allein im kleinsten der Häuser. Der andere war Hagen, er kümmerte sich um die Bewirtschaftung des Getreides. Während die Männer sprechen, begutachtet Ignatius die Leichen. Die Leiche Hagens ist durch viele sehr tiefe Kratzer am Rücken ein wahrlich unschöner Anblick. Er ist sicher erst nur durch den Schmerz ohnmächtig geworden und dann durch den hohen Blutverlust gestorben. Die Leiche Igors liegt einfach nur zusammengesackt auf dem Boden. Das Monster hat ihm das Rückgrat gebrochen. Ein schneller schmerzloser Tod. Nachdenklich streicht sich der Hexenjäger über sein Kinn. Zu seltsam, warum starben die beiden auf so unterschiedliche Weise? Vielleicht hat es ja nichts zu bedeuten, aber wer weiß das schon. Dann tritt er in die Scheune und fragt einen andere Mann der gerade versucht einige umgefallene Heuballen zusammenräumen ob denn die Leiche Bjorns gefunden wurde. Dieser verneint nur und widmet sich wieder seiner Arbeit. Komisch, wenn die Leiche nicht hier ist, dann hat das Monster ihn wohl verschleppt, oder war er womöglich an einem ganz anderen Ort als der Scheune. Doch es kann auch sein, dass die Bauern einfach nicht gründlich genug suchten und so macht sich der Hexenjäger an die Arbeit, die Scheune selbst zu untersuchen.

Die Suche beschäftigt ihn lange und als er wieder ins Licht des Tages tritt, steht die Sonne bereits hoch am Himmel. Doch die Suche war erfolglos. Die Leiche dieses Mannes ist auf keinen Fall in der Scheune. Nachdenklich wandert Ignatius zwischen den kleinen Holzhäusern herum und entdeckt einen Stall. Nun will er wissen warum es hier so verdammt still ist und will sich den Stall aus der Nähe anschauen. Er tritt hinein und noch durch das helle Licht der Mittagssonne geblendet erkennt er erst nicht viel in dem dunklen Stall. Doch als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben erkennt er die Boxen der Tiere zu seiner Linken und Rechten. Doch sie sind alle leer. Nicht ein einziges Tier ist zu entdecken. Nun wahrlich durch die Zustände auf dieser Farm verwirrt, tritt Ignatius wieder heraus in das grelle Sonnenlicht. Einer der Bauern kommt gerade um die Ecke gebogen und mustert den herumstehenden Fremdling. Dann tritt er an Ignatius heran und bedankt sich noch einmal dafür, dass dieser das Monster verjagt hat. Bei dieser Gelegenheit befragt der Hexenjäger den Bauern warum der Stall denn leer ist. Dieser beginnt zu erklären. Es sei ein großes Unglück für Bjorn gewesen. All seine Kühe bekamen plötzlich eine seltsame Krankheit. Sie war für die anderen nicht gefährlich, doch all die wertvollen Kühe fielen dieser Plage zum Opfer. Und dann verschwanden immer mehr Tiere, wurden wohl durch Wölfe gerissen oder von Dieben geholt. Dann sagt der Mann, dies sei alles was er wisse und er müsse sich wieder an die Arbeit machen. Nachdenklich schaut Ignatius dem Bauern hinterher. Mina tippt ihn auf einmal auf die Schulter, woraufhin er herum fährt.

„Mina, ich habe mich schon gewundert wo du denn geblieben bist.“

Diese lächelt nur und beginnt zu erklären.

„Nun, da das mit den Toten nicht so wirklich etwas für mich war und ihr in der Scheune verschwandet dachte ich mir, ich mache mich mal ein bisschen schlau und habe jeden hier befragt der mir über den Weg lief. Also, es gibt hier sozusagen zwei wichtige Parteien. Einmal Bjorn, er ist der reichste der Bauern hier und ihm gehören all die Tiere hier. Er hat vor einem Jahr Tamara geheiratet die wohl vorher in Grenada lebte. Die meisten haben sich sehr darüber gewundert wie er es denn geschafft hatte, sich so eine junge Frau zu angeln. Naja und dann gibt es da noch Hagen. Ihm gehören all die Felder hier und er ist zusammen mit Bjorn der Besitzer der Farm. Er ist auch noch recht jung… gewesen. Naja, auf jeden Fall heißt seine Frau Ivy. Die habe ich allerdings noch

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nicht angetroffen. Entweder ist sie nicht da oder sie wollte nicht mit mir sprechen. Die Leute hier meinen sie wäre etwas seltsam aber eigentlich ein netter Mensch. Und dieser Igor lebte hier allein. Keine Frau. Ist Arbeiter von Hagen gewesen. Alle anderen sind Arbeiter von Hagen oder Bjorn.“

Ignatius legt seine Hand auf Minas Kopf und wirbelt grinsend ihr Haar durcheinander.

„He, du bist ja ein schlaues Kindchen, könntest ja noch richtig nützlich werden.“

Ignatius macht sich wieder auf den Weg zu Bjorns Haus, während ihm Mina nur böse hinterher schaut. Er behandelt sie immer noch wie ein kleines Kind. Doch dann folgt sie ihm auch.

Tamara ist gerade dabei, das Mittagessen zuzubereiten, als ihre Gäste hereintreten. Ignatius nimmt auf einem der Holzstühle Platz und beginnt erneut mit seiner Befragung.

„So, und nun die Wahrheit bitte.“

Tamara wendet sich nur verwundert zu ihm und fragt ihn, was er denn damit meine. Mina hat derweil auch Platz genommen und lauscht gespannt.

„Nun, euer Mann war nicht in der Scheune. Keine Leiche war zu finden und ich glaube eine Begegnung mit dem Vieh hätte er nicht überlebt.“

Die Frau schweigt und schaut in den Topf in dem sie herumrührt.

„Und was ist eigentlich mit all euren Tieren passiert?“

Dann hält sie mit dem Rühren inne, verharrt kurz in der Bewegung und dreht sich zu Ignatius. Tränen stehen wieder in ihren Augen und sie fährt den Hexenjäger an.

„Fragt doch diese verdammte Ivy! Dieses Miststück ist an allem Schuld! Wahrscheinlich war er bei ihr!“

Kaum hat sie das letzte Wort beendet, rennt sie aus der Küche und wirft hinter sich die Tür zu. Ignatius erhebt sich voller Elan vom Stuhl.

„Nun, dann müssen wir wohl diese Ivy finden. Ich werde mal bei Hagens Haus vorbeischauen. Mina, bleib hier und pass auf, dass sie nichts Unüberlegtes tut.“

Voller Empörung antwortet Mina.

„Aber warum? Das ist doch langweilig…“

„Naja, du verstehst sie sicher besser. So von Frau zu Frau, du verstehst schon…“

Dann zieht er sich den Mantel zurecht und tritt aus der Tür in der Küche nach draußen. Mina schaut nur lächelnd ins Nichts. „Von Frau zu Frau…“

Die Sonne war in der Zwischenzeit beträchtlich nach Westen gewandert. Nun heißt es Hagens Frau zu befragen. Die entscheidende Frage ist nur, welches der Häuser nun das richtige ist. Doch einer der Bauern den er auf dem Feld arbeiten sieht, zeigt auf ein recht großes Haus welches am Westende der Farm steht. Mit entschlossenem Schritt macht sich Ignatius auf den Weg dorthin. An der Tür angekommen klopft er und bittet um Einlass. Keine Reaktion. Die Haustür ist auch verschlossen. Doch Ignatius lernte in all den Jahren um die Vergesslichkeit der Menschen und verschafft sich über die offene Hintertür Zutritt zum Haus. Es ist recht dunkel hier drin und riecht seltsam. Staub liegt auf den Möbeln des Hauses. In der Küche ist niemand und so sucht er im Wohnzimmer weiter. Doch auch hier ist nichts. Im Hausflur bemerkt er wieder diesen seltsamen Geruch. Er kennt diesen Geruch, als wenn man etwas bestimmtes verbrennt… aber was? Dann hört er das Krachen einer zugefallenen Tür, doch kaum hat er dies vernommen lässt ihn die Stimme einer Frau herumfahren. Als er seinen Blick gewendet hat, steht eine hübsche Frau mit langem wallendem braunen Haar vor ihm. Gehüllt in ein sehr luftiges hellblaues Kleid mit allerlei silbernen Verzierungen, was eigentlich mehr zeigt als es verdeckt.

„Wer seid ihr und was wollt ihr in meinem Haus Fremder?“

Sie fixiert ihn mit ihren tiefgrünen Augen und spricht mit einer sinnlichen Stimme in einem ruhigen Ton, der keinerlei Anzeichen von Furcht zeigt.

„Wie dreist, erst in mein Haus eindringen und dann nicht einmal mit mir sprechen.“

„Verzeiht, man nennt mich Ignatius. Ich beschäftige mich mit den jüngsten Ereignissen die hier stattfanden.“

„Ah ihr seid dieser Mann der das Monster verjagt hat. Olaf hatte mir davon erzählt als er mir

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berichtete, dass mein Mann von dem Biest getötet wurde. Nun lasst uns ins Wohnzimmer gehen. Ihr wollt mich sicher einiges fragen.“

Wortlos folgt Ignatius der Frau, welche auf einem schönen Polstersessel Platz nimmt. Ignatius setzt sich auf das gegenüberstehende Sofa. Die Frau schlägt die Beine übereinander und spricht weiter.

„Nun, man nennt mich Ivy. Ja, sehr tragisch was da passierte…“

„Euch scheint der Tod eures Mannes nicht sehr zu berühren.“

„Ja, in der Tat, der Bastard hatte es eigentlich verdient….“

„Ihr scheint aufgebracht. Hattet ihr Streit?“

Die Frau schaut aus dem Fenster und mit einem herablassenden Blick zu Bjorns Haus herüber.

„Naja, warum soll ich um einen Mann weinen der sich lieber mit diesem Flittchen da drüben vergnügt als mit mir… und mir dann noch sagt, er würde mich für immer lieben.“

Der Hexenjäger hebt eine Augenbraue und fragt interessiert weiter.

„Nun, Bjorns Frau behauptet ihr wärt Schuld an all dem Übel. Und sie meinte ihr Mann wäre wohl gestern Nacht bei euch gewesen.“

Die Frau dreht sich wieder zu Ignatius, schließt die Augen und lacht nur.

„Ha, ist ja klar dass die wieder irgendwelche Lügen über mich verbreitet. Sie ist schon neidisch auf mich, seit Bjorn sie hier anschleppte. Das typische verzogene Großstadtgör. Außerdem ist… war Bjorn wahrlich nicht der Typ Mann an dem ich Interesse hätte. Er war kein schlechter Mensch, versteht mich nicht falsch, aber man hat ihm sein Alter schon angesehen… Und diese kleine Schlampe hat sich ihm nur an den Hals geworfen, weil sie das Geld in seinen Taschen klappern hörte. Naja, er war nur der Dumme der sie ernährt. Für all die unterhaltsamen Dinge musste sie sich wohl jemand anderen suchen… meinen Hagen…“

„Und der hat das Angebot scheinbar angenommen.“

„Ja… Naja, wenn ihr mir nicht glaubt könnt ihr auch jemand anderen fragen… Ich binde es zwar keinem auf die Nase, aber die beiden bemühten sich nicht wirklich es geheim zu halten wenn sie sich wieder einmal in Bjorns Scheune trafen.“

„So, sie trafen sich also in der Scheune…. Sehr interessant. Wie hat Bjorn darauf reagiert, ich meine, hat der das Verhalten seiner Frau etwa toleriert?“

„Ich glaube Bjorn liebte sie wirklich und Liebe macht bekanntlich blind… Ich denke er war der einzige hier der nicht sah was da so offen geschah. Vermutlich wollte er es einfach nicht sehen.“

Nun erhebt sich der Hexenjäger.

„Ich danke für diese Informationen. Ich werde mich nun daran machen, meine Ermittlungen weiterzuführen. Ich wünsche noch einen schönen Tag.“

Mit diesen Worten deutet er eine Verbeugung an und wendet sich der Tür des Wohnzimmers zu. Ivy schlägt nun noch einmal das eine Bein über das andere, legt ihren Kopf auf ihren Arm und schaut den Hexenjäger wehmütig an.

„Wollt ihr nicht noch etwas bleiben… Ich bin ja nun ganz allein in diesem Haus…“

Da hält Ignatius kurz inne und wendet sich ihr noch einmal zu.

„Nun, versteht mich nicht falsch, ihr seid sicherlich eine schöne Frau, doch habe ich wirklich schlechte Erfahrungen mit euresgleichen gemacht und seitdem habe ich keinerlei Interesse mehr…“

Dann verlässt der Hexenjäger das Haus. Es dämmert bereits und er geht wieder zurück zu Bjorns Haus, in dem Mina Tamara bewachen sollte. Er trifft die beiden in der Küche an, in der Tamara bereits wieder das Abendessen zubereitet. Der Hexenjäger hatte viel erfahren an diesem Tag und nimmt am Tisch Platz. Tamara beginnt in einem ruhigen Ton zu sprechen, sich dabei aber weiter um das Essen kümmernd.

„Und, habt ihr etwas herausgefunden?“

Ignatius nimmt einen Becher vom Tisch und füllt ihn mit etwas Traubensaft.

„Ja, in der Tat… Und es ist faszinierend was hier so vor sich geht.“

Dann trinkt er einen Schluck. Tamara hält in der Bewegung inne und spricht nur unsicher.

„So, was meint ihr…“

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„Naja, das mit den Tieren, ist schon wirklich zu seltsam…“

„Oh ja, das stimmt…“

Sie beginnt wieder weiterzuarbeiten. Da wendet sich Mina zu Ignatius und fragt ihn warum er denn versucht den ganzen Hintergrund der Farm zu erfahren. Ignatius nimmt noch einen Schluck und beginnt zu erklären.

„Wir jagen das Wesen, das ist das entscheidende. Eigentlich interessiert mich das alles nicht. Doch kann man nur die Beute erlegen über die man Bescheid weiß und ich habe keinerlei Ahnung um was es sich hier handelt. Ich hoffe den ganzen Zusammenhang zu verstehen. Womöglich kommt mir dann eine Idee wie wir das Biest erlegen können.“

“Warum erlegst du es nicht einfach mit deiner Armbrust?“

„Ich hatte es ja angeschossen…“

„Ja, stimmt, dann ist es weggelaufen. Das zeigt doch nur, dass es verwundbar ist.“

„Es konnte flüchten… Der Bolzen an der Position hätte es eigentlich erledigen müssen. Ich glaube nicht, dass das eine natürliche Kreatur ist…“

Tamara hat nun das Essen fertig und deckt den Tisch. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren essen die drei und Ignatius und Mina begeben sich anschließend in das Gästezimmer.

Ignatius sitzt auf einem Sessel vor dem entfachten Kamin und starrt in die Flammen. Mina schaut gelangweilt aus dem Fenster. Dann geht sie zum Bett, setzt sich und beginnt mit Ignatius zu sprechen.

„Du verschließt dich schon die ganze Zeit vor mir. Warum? Warum lässt du mich nichts über dich erfahren?“

In ruhigem nachdenklichen Ton antwortet Ignatius, dabei aber immer noch in das Feuer des Kamins starrend.

„Naja, sagen wir es geht dich nichts an. Alles was geschah ist Vergangenheit und damit nicht mehr relevant.“

„Ich begleite dich nun schon ein Jahr… Und weiß noch immer nichts von dir…“

„Merke dir eins Kleine, wenn du etwas über jemanden weißt, hast du Macht über ihn. Kenne deine Beute und sie ist dir ausgeliefert.“

„Glaubst du ich will dich angreifen? Willst du deshalb ni…“

Mina kommt nicht dazu den Satz zu beenden da gellt ein greller Schrei durch die Nacht. Ignatius springt sofort auf und zieht seine Armbrust. Mina zieht ihren Dolch und tritt zu Ignatius.

„Ich glaube das war im Haus.“

Der Hexenjäger nickt und lädt einen Bolzen in die Armbrust. Dann tritt er zur Tür und öffnet sie vorsichtig mit der Linken. In der rechten Hand trägt er die Waffe die er unablässig vor sich hin und her wandern lässt um, wenn nötig, einen Angreifer schnell angreifen zu können. Die beiden treten in den Flur und schauen sich um. Nur der Mond der durch ein Dachfenster scheint, spendet etwas Licht. Doch dann erklingt wieder dieser schrecklich Schrei. Er kommt aus dem Schlafzimmer in dem Tamara nächtigt. Der Hexenjäger tritt an die Tür und lauscht, er hört eine vertraute Stimme, doch die dicke Holztür dämpft sie so, dass er sie nicht genau erkennen kann. Dann lässt ihn das Klirren eines Fensters aufschrecken. Was auch immer dort drin passiert, nun ist es Zeit einzugreifen. Mit einem schwungvollen Tritt lässt er die Tür aufschwingen, woraufhin sie gegen einen dahinterstehenden Schrank rammt und eine Vase herunterstößt. Der Raum ist durch eine kleine Öllampe auf dem Nachttisch erhellt. Der Hexenjäger versucht zu erkennen was los ist. Zu seiner Rechten auf dem Bett liegt Tamara in ihrem Nachtgewand, die Arme ausgebreitet… und ihre Brust samt dem Laken sind blutverschmiert. Vor dem Bett und somit auch vor Ignatius steht das Monster, hinter ihm weht der Nachtwind durch ein zerstörtes Fenster und lässt die Gardinen herumwehen. Die zu Bruch gegangene Vase erschreckt das Monster, welches verwundert zur Tür herüber schaut und die Ohren spitzt. Es schaut Ignatius mit seinen gelben Augen an, doch etwas seltsames liegt in seinem Blick. Dann schaut es wieder auf Tamara und beginnt jämmerlich zu jaulen. Es scheint sein Werk beendet zu haben und springt aus dem Fenster, als der Hexenjäger versucht, ihm einen

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erneuten Treffer mit seiner Armbrust zu verpassen. Der Bolzen verfehlt sein Ziel und bleibt im Fensterrahmen stecken. Vorsichtig tritt Ignatius an das Fenster und schaut hinaus in der Hoffnung das Wesen noch irgendwo zu finden. Doch keine Spur von dem Untier. Mina tritt an das Bett und untersucht Tamara. Sie ist tot. Neben ihr liegt auf dem Laken ein kunstvoll verzierter Dolch. Ignatius der nun davon überzeugt ist, dass das Vieh nicht zurückkommt, hebt den Dolch auf und betrachtet ihn.

„Ein Kriss… Wo kommt das denn her?“

Mina weißt ihn daraufhin, dass er vorsichtiger sein sollte, denn das Monster könne noch in der Nähe sein, doch dieser wendet nicht den Blick von der seltsamen Waffe.

„Es kommt nicht zurück. Es hatte es wohl nur auf Tamara abgesehen. Sonst hätte es uns direkt vorhin angegriffen. Aber dieses Kriss. Man verwendet diese Dinger eigentlich nur bei magischen Handlungen. Wie kommt das Monster an so etwas heran. Muss wohl für jemanden arbeiten. Nun gut, hier können wir nichts mehr tun. Lass uns wieder schlafen gehen. Morgen widmen wir uns wieder der Aufklärung dieser Angelegenheit.“

Gelassen legt er seine Armbrust auf seine Schulter und schlendert zurück ins Gästezimmer. Mina schaut ihm verdutzt hinterher und folgt ihm dann.

Nach einer erholsamen Nacht erwachen die beiden am nächsten Morgen. Ignatius gibt Mina den Auftrag, den Dorfbewohnern von den nächtlichen Ereignissen zu berichten. Er selbst will sich noch einmal mit dieser Ivy unterhalten, denn irgendetwas ist an ihr faul. Sie scheint mehr zu wissen, als sie zugibt. So tritt er hinaus. Es regnet stark und ein Gewitter scheint heran zu ziehen. Doch das Wetter interessiert ihn in keinster Weise. Er geht zum Hause Hagens und beschließt sich einfach einmal unauffällig Zutritt zum Haus zu verschaffen. So geht er zur Hinterseite und schaut durch die Fenster um zu sehen, ob diese komische Frau da ist. Als er nichts entdecken kann tritt er vor die Hintertür. Ein unbehagliches Kribbeln breitet sich in seinem Magen aus und so zieht er erst die Armbrust und lädt einen Bolzen hinein, dann steckt er sie wieder weg und schleicht vorsichtig ins Innere. Es ist still, nur das Prasseln des Regens erzeugt etwas Lärm. So betritt er den Flur, sich vorsichtig umsehend, doch keiner ist da. Der seltsame Geruch vom letzten Besuch hängt immer noch in der Luft und der Hexenjäger beschließt, die Quelle des ganzen zu suchen. Nachdem er eine Weile herumgeschnüffelt hat, stellt er fest, dass der Geruch hinter der verschlossenen Tür herauszuströmen scheint, aus der das letzte Mal die Frau trat, als sie ihn im Flur überraschte. Dort müssen Antworten liegen, das ist sein einziger Gedanke. Er legt die Hand auf den Griff der Tür und drückt ihn sachte herunter. Und sie ist offen. Ohne ein Geräusch zu erzeugen lässt sie sich öffnen und gibt den Blick auf eine von Fackeln flankierte Treppe frei die in den Keller zu führen scheint. Ein Windhauch trägt eine Brise aus dem Gewölbe herauf und wieder steigt ihm dieser komische Geruch in die Nase. Nun ist noch ein weiterer Geruch dazwischen. Ein süßer Geruch… der Duft verwesenden Fleisches. Nun ist es sicher, was auch immer da unten vor sich geht, es ist nichts Gutes. Ignatius beschließt lieber die Armbrust zu ziehen und schleicht weiter hinab. Am Ende der Treppe findet er sich in einem recht großen steinernen Raum wieder. Überall stehen Tische, bedeckt mit obskuren Gerätschaften und von der Decke hängen allerlei Kräuter. Doch es scheint niemand hier zu sein. Der Geruch strömt von einer Art Kochstelle welche auf der linken Seite in einer Wand angebracht ist. Das Feuer ist erloschen, doch der Geruch hängt noch immer in der Luft. Dann ein Knall. Der Hexenjäger fährt herum. Doch es scheint nur die Kellertür gewesen zu sein, die durch einen Windstoß zugefallen ist. Den Urheber des Geräusches hat er also gefunden, so widmet er sich wieder der Untersuchung des Raumes. Schon oft durfte er solcherlei Einrichtungen entdecken und die Besitzer fanden sich meist umgehend nach der Entdeckung auf einem Scheiterhaufen wieder. Er hatte wohl schon mehr Diener verbotener Lehren auf dem Gewissen als so mancher Inquisitor Shaserias. Dies brachte ihm auch die Ehre ein den Titel Hexenjäger tragen zu dürfen. Er wurde ihm vom Kaiser selbst gegeben, wenngleich er es ablehnte ein Inquisitor Ilinduras zu werden. Somit würde er hier wohl auch einige nützliche Dinge für seine Ausrüstung finden können. Interessiert wühlt er in einem Stapel von Papieren herum. Doch ein Heulen unterbricht seine Suche. Ein

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dumpfes Wimmern. Er fährt herum und schaut woher es kommt. Es scheint von der Treppe zu kommen. Genauer gesagt von der Tür. Sie schließt wohl nicht richtig und so zieht der Wind hindurch. Dann wendet er sich wieder dem Papier zu und beachtet die Geräusche nicht mehr. Unter all den Aufzeichnungen ist jedoch nichts, was für einen Hexenjäger von Belang sein könnte und so beginnt er in all den Gläsern, die auf einem Regal stehen, herum zu wühlen. Womöglich gibt es hier einige Chemikalien für sein Waffenarsenal. Immerhin hatte ihn der Wirt der Taverne eine Pyrobombe gekostet. Allerlei obskure Pulver und Tränke stehen herum, doch nichts davon würde er wirklich verwenden wollen. Wer weiß schon wofür sie gut sind. Lediglich ein Glas, welches mit gelben Kristallen gefüllt ist weckt seine Aufmerksamkeit. Er dreht den Deckel ab und atmet den herausströmenden Geruch ein. Der widerliche Geruch verfaulter Eier steigt ihm in die Nase und damit bestätigt sich ihm, dass er da etwas nützliches gefunden hat: Schwefel. Eine Grundsubstanz für so manches Spielzeug. Zufrieden lächelnd steckt er das Glas in eine Innentasche seines Mantels. Dabei betrachtet er noch einmal die geladene Armbrust welche in ihm wieder die Erinnerung zurückkehren lässt, dass er vorsichtig sein muss. Dann fällt ihm ein Glas, welches mit einem schwarzen Pulver gefüllt ist in den Blick. Gerade will er den Deckel entfernen als ihn das Geräusch eines zerschellten Glases aufschrecken lässt. Der Angstschweiß in seinem Nacken macht ihm klar, dass er wohl einen Fehler gemacht hat als er hier her kam. Vorsichtig dreht sich um, die Hand an den Griff der Armbrust gelegt, welche noch im Mantel verstaut ist. Doch was da hinter einem Regal neben der Treppe hervor schlurft verschlägt ihm die Sprache. Nur schlecht ist der zu erkennen der da auf den Hexenjäger zuwandert, bzw. das… Blitzschnell zieht Ignatius die Armbrust und feuert einen Bolzen auf die wankende Gestalt ab. Er kann nur erkennen, dass der Bolzen sein Ziel findet und mitten im Körper der Gestalt landet, doch diese zeigt keinerlei Anzeichen von Schmerz sondern wandert nur unbeirrt weiter auf ihn zu. Nun erst merkt er, dass das dumpfe Wimmern nicht von der Tür kam, sondern von dem Bewohner dieses Kellers. Ratlosigkeit macht sich in Ignatius breit. Hat er doch den Rucksack mit der Ausrüstung nicht dabei. Nur die Armbrust und einige gewöhnliche sowie Spezialbolzen trägt er bei sich. Doch diese darf er nicht verschwenden, denn er besitzt sie nur in geringer Zahl und ihre Herstellung ist mühsam. Doch die Angst lockert ihm die Hand und er zieht einen Höllengiftpfeil in die Armbrust. Siegessicher feuert er den kleinen Pfeil auf den Schatten ab. Umso größer ist die Bestürzung, als der Schatten trotz eines Volltreffers in den Kopf noch immer unbeirrt weiter wandert. Mittlerweile ist das Wesen nah genug, so dass er nun erkennen kann was ihn denn da angreifen will. Doch was er sieht gefällt ihm gar nicht. Langsam tritt das bleiche Gesicht Hagens aus dem Schatten. Seine Augen sind milchig und ausdruckslos. Sein Mund steht kraftlos offen und seine Hände hält er verkrampft vor sich. Doch wie kann das sein?! Hagen war tot! Naja war scheint das richtige Wort zu sein. Denn nun offenbart sich dem Hexenjäger, dass diese Ivy wohl eine freiberufliche Hexe mit nekromantischer Ader sein muss. Schon oft hat er Magier, die Macht über die Toten suchten, zur Strecke gebracht, doch noch nie hat er in das Angesicht eines solchen wandelnden Leichnams gesehen. Eingeschüchtert wandert Ignatius rückwärts bis ein hoher Bücherschrank seine Fluchtmöglichkeiten endgültig einschränkt. Nur noch ein Weg führt hinaus und der Grund der Flucht befindet sich genau davor. In seiner Verzweiflung lädt Ignatius noch einen Bolzen und feuert ihn auf seinen Widersacher ab, doch wieder bleibt dieser nur ohne Wirkung im Körper des Toten stecken. Schweiß rinnt seine Stirn herab und er sucht nach einer Möglichkeit Hagen zu stoppen. Eines ist jedoch sicher. Mit der Armbrust kann er nichts ausrichten. Hagen ist nun nur noch wenige Schritte entfernt und wenn das, was man über die wandelnden Toten erzählt stimmt, dann würde er ihn gnadenlos zerreißen sobald er ihn erreicht. Dann fällt ihm wieder das Glas mit dem schwarzen Pulver ein welches er vorhin anschaute. Wenn das darin ist, was er erhofft hat, dann könnte es dem Untoten einige Probleme machen. Doch wie kann er das Pulver entzünden? Der Zombie hat schon das Regal erreicht und das Glas ist noch verschlossen. Es muss zertrümmert werden. Da fällt ihm das Kriss ein welches er an seinem Gürtel hat. Die Armbrust steckt er wieder weg und zieht den verzierten Dolch. Nun gibt es kein Zurück mehr und der Zombie soll noch den Hexenjäger kennen lernen welchen man nicht umsonst fürchtete. So attackiert er den Zombie und

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rammt ihm den Dolch in den Kopf. Wenngleich es ihn wohl nicht töten wird, kann es ihn doch umreißen und Ignatius gelingt es an das Glas zu kommen. Hastig schraubt er es auf und schüttet es dem auf dem Rücken liegenden Untoten ins Maul, doch schon beginnt sich dieser wieder zu erheben. Doch egal, gleich soll er nicht mehr aufstehen. Dann weicht der Hexenjäger wieder einige Schritte zurück, nimmt eine dicke entflammte Kerze vom Tisch und wirft sie dem wieder auf den Beinen stehenden Unhold entgegen. Die Flamme der Kerze erwischt etwas von dem Pulver welches sich auf dem Gesicht Hagens verteilt hatte und fängt Feuer. Auch das Pulver im Mund des Toten entflammt und explodiert in einem kleinen Feuerball. Die glühende Explosion blendet Ignatius und er hebt schützend die Arme vor sich. Als er sie wieder senkt, sieht er den Körper seine Feindes am Boden liegen. Flammen züngeln aus den Resten des Kopfes. Keine Regung mehr und der Sieger verschnauft zufrieden. Doch da! Die linke Hand des Toten bewegt sich und schon erhebt sich das ganze Geschöpf wieder vom Boden. Die Hälfte des Kopfes wurde weggerissen und hinterließ eine nun verbrannte und blutende zweite Hälfte, die Ignatius mit glasigem Auge anschaut. Verdammt, das Vieh ist zäh. Selbst das hat es nicht gestoppt. Der Untote geht zum Angriff über und versucht den Hexenjäger zu packen, dieser schafft es jedoch sich in letzter Sekunde zur Seite zu werfen. Dabei rammt er ein schweres Objekt welches sich bei näherer Betrachtung als Amboss erweißt. Ursprünglich war hier wohl erst eine Schmiede. Und wo ein Amboss ist… Mit verschwitzten Händen wühlt der zu Boden gegangene in den Metallresten herum und dann findet er auch das erhoffte Objekt. Langsam erhebt er sich wieder und nimmt den schweren Schmiedehammer der eigentlich mehr einem Vorschlaghammer ähnelt in beide Hände und schwingt ihn gegen den Toten. Aufgrund des Gewichtes kann der Attackierende nicht wirklich zielen und so trifft der erste Schlag den rechten Arm des Untoten welcher unter einem scheußlichen Knacken abreißt. Wunderbar, wollte der Untote sich nicht durch eine Bombe bremsen lassen, muss er nun den kalten Stahl des Hammers kosten. Der nächste Schlag trifft den Untoten am Rumpf, zertrümmert ihm die Rippen und reißt ihn von den Beinen. Der Hexenjäger hat nun seine Chance erkannt und schlägt in wilder Raserei auf seinen Widersacher ein. Blut spritzt umher und besudelt den Raum und den Hammerschwinger. Immer wieder lässt er den schweren Hammer auf den Untoten niederfahren bis nicht mehr als ein blutiger Haufen übrig ist. Nun zeigt der Untote keine Regung mehr, Ignatius lässt den Hammer auf seiner Schulter ruhen und atmet tief ein und aus. Hier unten gibt es nichts mehr zu tun. So beschließt er noch das Hexenwerk zu vernichten und kippt eine Kerze neben dem Stapel mit den magischen Aufzeichnungen um, wodurch die alten Papiere sofort Feuer fangen. Dann geht er mit dem Hammer in den Händen wieder die Treppe herauf. Die Tür ist tatsächlich zugefallen, doch lässt sie sich ohne Probleme öffnen. Er tritt hinaus in den Flur und wieder erfüllt das Rauschen des herunterprasselnden Regens die Umgebung. Plötzlich ein erneutes Krachen welches aus dem Wohnzimmer kommt und eine Stimme.

„Verschwinde du Monster!“

Ignatius erkennt Minas Stimme und stürmt in das Wohnzimmer, wo er seine Begleiterin gegen die Haustür gestemmt sieht. Sofort eilt er zu ihr und fragt was los sei. Sie erklärt dass alle anderen Dorfbewohner ebenfalls ermordet wurden, auch durch einen Dolch wie Tamara. Doch als sie Ignatius suchen wollte, traf sie auf einen der Dorfbewohner, welcher sich jedoch nach fehlender Reaktion auf sämtliche Fragen und ein hohes Aggressionspotenzial als Untoter herausstellte. Er verfolgte sie bis hier her und steht nun vor der Tür. Man hört ein wildes Klopfkonzert vor der Tür. Doch dann verstummt es. Dem folgt das Krachen eines splitternden Fensters. Wie vom Blitz getroffen fahren die beiden herum und erblicken den Zombie der durch das Fenster stürzte und nun langsam vom Boden aufsteht. Wohl wissend, dass hier nur brachialste Angriffe etwas bringen geht der Hexenjäger auf den Untoten los und zertrümmert ihm den Schädel mit dem schweren Hammer. Ein Gemisch aus Blut, Hirn und Schädelsplittern spritzt umher und lässt das Wohnzimmer wie einen Schlachthof erscheinen. Doch das Fehlen des Kopfes scheint den Untoten nicht weiter zu stören und so erhebt er sich, um Ignatius anzugreifen. Doch dieser fegt den Angreifer mit einem Schlag gegen den Brustkorb von den Beinen. Auch dies würde ihn wohl nicht ganz aufhalten und so

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beschließt Ignatius den Untoten erst einmal festzusetzen. Er zertrümmert einen kleinen Holztisch welcher zwischen dem Sofa und dem Sessel steht und nimmt eines der Holzbeine. Dieses rammt er dem Untoten der wieder versucht aufzustehen in den Körper. Das Tischbein bohrt sich in den Bauch des Toten, doch auch dies interessiert ihn nicht. Um dies zu ändern hebt der Hexenjäger den Hammer in die Luft und hofft, dass das Holzbein stabil genug ist. Mit einem schweren Schlag hämmert er auf das obere Ende des Beines und dieses bohrt sich nun durch den Untoten hindurch in den Boden. Der am Boden liegende Zombie versuch sich nun wieder zu erheben, kann dies jedoch aufgrund des in ihm steckenden Tischbeins nicht. Ein seltsamer Geruch verteilt sich im Raum… Rauch. Das Feuer im Keller hat sich ausgebreitet und wird wohl bald auch den oberen Teil des Hauses erreichen.

„Schnell Mina, wir müssen die Ausrüstung holen. Danach verschwinden wir hier. Mir wird die Sache langsam doch zu heikel. Einen Untoten kann ich noch stoppen, aber bei mehreren versagen meine Fertigkeiten. Sie treten aus dem Haus und machen sich schnellstmöglich auf den Weg zu Tamaras Haus in dem der Rucksack liegt. Der Boden ist aufgeweicht und Dreck spritzt unter ihren Schritten herum. Der Regen prasselt in der Gewalt eines Höllensturms herab, doch dürfen sie sich nicht davon bremsen lassen. Denn nun geht es um mehr als nur Geld. Es geht um ihr Leben. Sie passieren ein Haus und können ihr Ziel schon erkennen, da versperrt ein weiterer Untoter ihnen den Weg. Seltsamerweise kriecht er auf dem Boden auf die beiden zu und zieht seinen Unterkörper nur schlaff hinter sich her. In seinen Augen brennt der Hass auf alle Lebende und so bewegt sich die armselige Kreatur auf die beiden Abenteurer zu. Als die Kreatur nah genug ist erkennt Ignatius in ihr Igor, dem das Monster das Rückgrat brach. Nun ist es dem Untoten nicht mehr möglich sich zu erheben ohne dabei gleich wieder umzufallen. Bei näherer Betrachtung erkennt Mina nun auch Verzweiflung in den Augen des Untoten der nur gegen seinen Willen noch an das Leben gebunden ist, vom Willen seines Herren in den Wahnsinn getrieben. Sie bittet Ignatius das Leben der armen Kreatur zu beenden. Der Hexenjäger hebt den Hammer über seinen Kopf und nimmt einige Schritte Anlauf bevor der Hammer den Rücken des Toten trifft und ein tiefes Loch hineinreißt. Sofort springt der Hammerschwinger einen Schritt zurück um die nächste Attacke vorzubereiten. Doch der Untote rührt sich nicht mehr. Der Schlag hat sein unnatürliches Dasein beendet, wenngleich die ganze Sache seltsam ist. Die anderen Untoten hatten sich schließlich immer wieder erhoben, selbst mit den grässlichsten Wunden. Doch egal, keine Zeit um weiter darüber nachzudenken. Sie müssen schnell weiter, doch schon versperrt ihnen eine weitere Gestalt den Weg. Vorsichtig gehen beide nun langsam weiter. Es ist Ivy welche wohl auf die beiden lauerte. Sie scheint schon länger hier zu stehen, denn sie ist komplett durchnässt und so gibt ihr Kleid nun gänzlich den Blick auf den gut gebauten Körper frei der darunter liegt. Doch Ignatius hat das Spiel der Hexe durchschaut.

„Mach den Weg frei Hexe!“

„Aber aber meiner werter Ignatius… Warum so böse?“

„Ich habe dich enttarnt, Dienerin der Schatten. Und nun werde ich dich so vernichten wie dein Werk in dem Keller!“

„Mein Labor?“

„Ja, es brennt nun lichterloh, zusammen mit den Resten Hagens. Und wenn du nicht den Weg frei gibst wirst du enden wie er!“

„Ihr habt mein Labor zerstört… Und mir meinen Hagen genommen? Ich habe ihn wieder verloren… Zum dritten mal… Erst an dieses Miststück Tamara… dann an Bjorn diesen Verrückten… und nun an euch!“

„Bjorn?“

„Ihr macht mich krank! Ihr werdet sterben!“

Der Gesichtsausdruck Ivys verfinstert sich und zeigt nun eine Mischung aus Hass und Trauer. Sie hebt ihren rechten Arm und deutet auf Ignatius der den Hammer auf seiner Schulter ruhen lässt. Verwundert schaut sich Mina um, doch nichts geschieht. Ignatius jedoch ist wenig beeindruckt von der Geste, nimmt den Hammer nun wieder in beide Hände und schreitet auf Ivy zu. Doch dann

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mischt sich ein weiteres Geräusch in das Rauschen des Regens. Ein leises Stöhnen, doch nicht nur eines… nein, eine ganze Menge kommt da auf sie zu. Kaum dringen die leisen Töne in Ignatius Ohr dreht sich dieser sofort, um die Umgebung zu betrachten. Und tatsächlich, eine Menge Gestalten kommen von allen Seiten auf sie zu. Doch nicht nur menschliche. Nein auch andere. Sie kommen langsam näher. Mina rennt zu Ignatius und klammert sich furchtsam an ihn. Dieser streicht ihr mit seiner Linken durch das Haar und flüstert leise.

„Alles wird gut…“ Dann geht er einen Schritt zurück und nimmt den Hammer wieder in Kampfposition. Bereit die Hexe für ihr Werk zu bestrafen. Doch diese hat sich in dem Moment von Ignatius Unachtsamkeit aus dem Staub gemacht und hinter ihren Dienern positioniert, bereit dem Ende der beiden Fremden beizuwohnen. Die Gestalten kommen näher und entpuppen sich als die ehemaligen Bewohner der Farm. Menschliche und tierische. Die Hexe musste auch Schuld am sterben der Tiere gehabt haben und nun sind selbst diese ihre Diener. Langsam schlurft der Kadaver einer Kuh auf die beiden zu, ähnlich der Speerspitze eines angreifenden Heeres. Ein widerlicher Anblick, doch Ignatius ist bereit es mit allen Angreifern aufzunehmen. Mit einem horizontalen Hieb schlägt er gegen den Kopf des Rinds. Der Körper ist schon schwer durch die Verwesung gezeichnet und so fliegt der schon recht skelettierte Schädel des Monsters mit dem Krachen der Wirbelsäule einfach ab. Plötzlich scheint das Leben aus dem Wesen gewichen und es bricht einfach zusammen. Doch unzählige weitere Untote kommen wie eine Wand des Todes weiter auf sie zu. Dann wird das konstante Gestöhne und Geächze der Untoten von einem seltsamen Heulen gestört. Die Hexe schaut sich erschrocken um und versteckt sich weiter hinter ihren Dienern. Ignatius erkennt das Heulen. Es ist das Monster, dass er hier ursprünglich gejagt hat.

„Jetzt ist es aus….“

Verzweiflung dringt aus Minas Stimme. Doch der Hexenjäger beruhigt sie.

„Schau wie seltsam sich die Hexe verhält. Sie weiß sicher mehr als wir und ich glaube das Vieh will nichts von uns. Auch als es letzte Nacht in Tamaras Schlafzimmer stand. Ich gehe davon aus, dass Ivy Tamara mit diesem komischen Dolch erledigt hat und das Monster sie bei der Ausübung ihres Werkes gestört hat. Schließlich hat es uns ja nicht einmal attackiert, obwohl es aufgrund meines Bolzens Grund dazu gehabt hätte.“

Dann ertönt erneut das Heulen und diesmal sehr nah. Unsicher schauen die beiden umher, den Urheber dieses Lärms suchend und dann finden sie ihn auf einem der Hausdächer stehend. Es ist das Monster, sein Fell ist komplett durchnässt. Es schaut zu den beiden herunter, als wollte es ihnen etwas mitteilen, dann springt es herab und rennt ein Stück in Richtung der Welle aus Untoten die sich vor der Hexe herbewegt. Dann hält es inne und schaut zurück, sich vergewissernd was die beiden tun. Dann kommt Mina eine Idee.

„Es will das wir ihm folgen. Los Ignatius, es hat einen Plan.“

„Ja, wir haben eh keine Wahl. Also auf geht’s.“

Dann rennen die beiden dem Monster hinterher, wissend das dies wohl die einzige Chance ist, die sie haben. Zufrieden dreht sich das Monster wieder zu den Untoten und sprintet nun auf allen vieren auf sie zu. In wilder Raserei springt es in den Pulk und attackiert die wankenden Toten, die sich nun auch auf das Monster stürzen. Ivy betrachtet das Geschehen voller Entsetzen und weicht weiter zurück. Ignatius erkennt nun auch was das Monster damit bezweckt. Es schlägt eine Schneise in die Untoten, wodurch die beiden die Hexe erreichen können. Zähne zerfetzen Fleisch und Krallen reißen Stücke aus den Kadavern die da das Leben auszulöschen suchen. Ungehindert erreichen die beiden nun die Hexe, welche Schritt um Schritt zurückweicht. Erst langsam, dann immer schneller und schließlich dreht sie sich und rennt so schnell sie kann, dabei aber immer zu ihren Verfolgern schauend. Doch dies ist der letzte Fehler den sie macht, denn so beachtet sie nicht die Hauswand auf die sie zu rennt. Sie rennt mit voller Wucht dagegen, prallt ab und stürzt elend zu Boden. Blut rinnt aus ihrer Nase, wird jedoch schnell wieder vom herabprasselnden Regen weggespült. Der Hexenjäger will sie sich schnappen, doch einer der menschlichen Untoten der sich aus dem Gemenge gelöst hatte attackiert ihn nun und so muss er sich erst dieser Gefahr widmen.

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„Mina, schnell! Töte sie! Sie darf nicht entkommen.“

Mina erreicht die Hexe die benommen am Boden liegt und hilfesuchend in ihr Gesicht schaut. Zitternd zieht sie ihren Dolch, dabei unablässig in die grünen Augen Ivys schauend. Sie hebt den Dolch mit beiden Händen in die Luft. Doch immer noch schaut sie die Hexe mit diesem wehmütigen Gesichtsausdruck an.

„Ich kann es nicht….“

Sie lässt den Dolch sinken. Die Hexe die nun wieder Herrin ihrer Sinne ist erhebt sich und dreht sich zu Mina.

„Gutes Mädchen…“

„Ignatius bemerkt, was da vor sich geht und haut den Untoten mit einem schweren Schwinger von den Beinen, sprintet dann zu Mina, entreißt ihr den Dolch und rammt ihn der Hexe in den Bauch. Dabei schiebt er sie nach hinten und rammt sie schließlich gegen die Hauswand. Mina sinkt weinend zu Boden. Die Hexe jedoch schaut nur verwundert, was da gerade geschehen ist. Erschrocken befühlt sie ihren Bauch und entdeckt das mit Wasser vermischte Blut. Nun erst wird ihr bewusst was geschehen ist und sie lässt einen furchtbaren Schrei aus ihrem Mund gellen. Es ist Schmerz, der Schmerz den das Messer erzeugt… und der Schmerz eines gebrochenen Herzens. Die Hexe beginnt zu weinen und schweigt nun entgültig. Mina betrachtet das Schauspiel nur mit verweinten Augen.

„Lass sie gehen… schau doch…“

Ignatius packt die Hexe jedoch nur an den Haaren und hebt ihren Kopf in Augenhöhe.

„Ihr seid schuldig gegen das shaserianische Gesetz verstoßen zu haben: Ausübung von verbotenen magischen Leeren. Ausübung von Magie ohne kaiserlichen Erlass, Mord an den Menschen der Farm. Wie befindet ihr euch?“

Doch die Hexen schweigt und schaut nur mit einem leeren Blick durch den Hexenjäger hindurch. Der Hexenjäger spricht in ruhigem Ton weiter, ohne von der Situation irgendwie betroffen zu sein.

„Aufgrund eines zu hohen Gefahrenpotenzials und Fluchtgefahr werde ich hiermit im Namen Kaiser Sendracks und des Kardinals der heiligen Kirche der Ilindura das Urteil sprechen. Hiermit befinde ich euch für schuldig und bestrafe euch mit dem Tod.“

Er tritt einen schritt zurück und flüstert Mina noch etwas zu.

„Schau weg, das ist nichts für deine Augen…“

Mina lässt den Kopf sinken und der Hexenjäger schwingt den Hammer mit aller Wucht senkrecht gegen die Hexe. Der schwere Stahl trifft mit aller Gewalt auf den Kopf und zerschmettert ihn, dabei dringt er noch ein Stück in den Körper ein. Nur mir Mühe kann er den Hammer wieder lösen. Die Überreste fallen nach vorn auf den Bauch wodurch sich der Dolch noch weiter in den Körper bohrt. Blut sprudelt aus dem Loch wo einst der Hals seinen Platz hatte und hüllt die Leiche in einen roten See der trotz des starken Regens noch gut zu sehen ist. Ignatius dreht sich um die Situation zu prüfen. Leichenberge liegen verteilt auf der Straße. Nun da die Hexe ihr Ende gefunden hat, ist auch die Kette die die Verdammten ans Leben band verschwunden und sie sanken wieder in ihren kalten Totenschlaf zusammen. Dann tritt er an einen Berg unter dem sich noch etwas bewegt. Es ist das Monster, welches durch die Attacken der Untoten schwer zugerichtet wurde. Ignatius zieht einen kleinen zahnstocherähnlichen Pfeil aus einem Täschchen an seinem Gürtel und beugt sich zu dem Monster herunter. Er schaut ihm in die Augen. Ihre Blicke treffen sich und das Monster wird ruhig, es scheint als würde es wissen, dass es nun Zeit ist zu gehen. Ignatius drückt das kleine spitze Objekt in den Arm des Monsters. Es atmet ruhiger bis sich seine Brust gar nicht mehr hebt.

„Danke… Bjorn…“

Dann geht er zu Mina und hebt sie vom Boden. Als er ihr trauriges Gesicht betrachtet erkennt er nicht die Kämpferin die er sonst kannte. Es ist das Gesicht eines kleinen verängstigten Mädchens und er fragt sich zum ersten Mal, ob es überhaupt richtig ist, sie mit auf Reisen zu nehmen… Doch nein, es ist nicht seine Sache auf sie aufzupassen. Sie wollte ihm folgen, also muss sie auch all die Gefahren und Gräuel ertragen, die diese Reise ins Ungewisse mit sich bringt. Sie gehen zurück zum

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Haus, nehmen die Ausrüstung und machen sich wieder auf den Weg nach Grenada, dem eigentlichen Ziel ihrer Reise…