König Ufir – Ein Lehrstück

 


Lasst berichten mich von alten Zeiten
wo fern von heimatlich Gestaden
in einer Wüste sand'gen Weiten
erklangen magische Balladen.
Der Ort wo es sich zugetragen
war Phal'Kabeth – ein karges Land,
ein Reich aus Sand und Wüstenplagen
gelenkt durch König Ufirs Hand.
Und Ufir war ein weiser Mann
der eisern doch auch gütig war.
Doch traurig blickte er mit an
was sein Reich zur Zeit gebar.
Es waren Hunger, Leid und Tod
die täglich hier das Volk erfuhr.
So lang' schon herrschte große Not,
denn dürr war längst die ganze Flur.
Der Fluss Cold'Hul war einst versiegt -
der Lebensborn in Ufirs Reich.
Danach hat sich das Volk bekriegt
um jede Pfütze, jeden Teich.
Doch eines Tag's erschien ein Mann
der eine Lösung hielt parat.
So sprach er König Ufir an
und gab ihm einen klugen Rat.


„Tief im Sand“, so sprach der Fremde,
„wo Mensch und Tier nur Tod noch bleibt,
ich schwör's bei meinem güld'nen Hemde,
hat einst sich eine Frau entleibt.
Der Liebste floh der armen Maid,
schenkt' einer and'ren wohl sein Herz,
Da zerbrach sie rasch an ihrem Leid
und an der zarten Seele Schmerz.
Dort tief im Sand fand sie ihre Ende,
nachdem sie zog ins Land hinaus.
Doch setzet euch und zwar behände,
denn diese Mär ist noch nicht aus.
Der Sand trank ihre salz'gen Tränen
und sie kam auf die Welt zurück -
ich will's an dieser Stell' erwähnen:
Der Umstand er ist euer Glück.
Denn nun ist sie ein Geisterwesen
das einsam durch die Wüste zieht,
und – so hatt' ich's einst gelesen -
erklingen lässt ein traurig Lied.
Und von den bleichen Geisterwangen
rinnen endlos' Tränenflüsse -
und so endet euer bangen -
die man einfach sammeln müsse.“


Der König war sogleich erfreut,
denn dieser Plan schien fehlerfrei.
Und so hatt' er's nicht bereut
zu lauschen jenem Konterfei.
Und mit List und mit Magie -
die brauchte er an dieser Stelle,
denn anders fängt man Geister nie -
fing Ufir seine neue Quelle.
In einem Käfig mag'scher Art
der nur zu diesem Zweck gebaut
hat nun der Geist dort ausgeharrt
auf den der König so vertraut.
Doch der Geist schien stumm zu sein
und ließ auch keine Weise klingen.
So drang der König auf ihn ein:
„Verfluchter Geist! Willst du wohl singen!“
Doch der Geist blieb stumm und schwieg
und Ufir wusste keinen Rat,
denn immer noch da herrschte Krieg
und keine Rettung schien parat.


So zog die Zeit recht schnell ins Land
und Ufirs Reich zerfiel zu Staub.
Die Lösung lag doch auf der Hand:
Der arme Geist war einfach taub.