Vom grimmen Geist der Freude

 


Oh Selige, wie wandelt ihr durch das Leben,
blickt gen Himmel lachend, des Abgrunds nicht gewahr.
Oh ich will euch noch die Augen geben,
zu sehen was zeitlich fern und was auch nah!

Ich bin der grimme Geist,
kein Lachen verzieht mir meine Miene.
Und dennoch, ein Narr schein' ich euch so dreist
zu sein, wie ich euch diene.

Euer Lachen sei meine ewig Speise
auf meiner endlos Kosmos-Reise.
Ob ihr mir höhnt,
oder Freud' aus euren Seelen strömt,
es ist mir gleich,
bin ich doch an Nächsten-Freude reich.

Ich war ja schon an jedem Eck und vieles hat mein Aug' geblickt,
ich sah sie alle nah und fern.
Die Weisen waren eingenickt,
als ich fragte keck: Was ist des Pudels Kern?

Und so eilte ich schnell von dannen,
die Stunden unbarmherzig rannen
durch der Existenzen Strom.

Ich rief dann an, die großen Götter. Die sollten mir das Wissen schenken
um Menschen Einsicht zu gewähren, nicht ihren Geist zurechtzurenken.
Doch bat ich auch zugleich, ich möge ihrem Willen nicht zufallen,
doch als ich dies beschwor, hört' Hohn ich schon vom Äther schallen.

Und Trauer war's, Enttäuschung wohl, die trieb mich zu den Silberteichen.
Ein schwarzer Kater schlich heran, geschmeidig leis', wie Katzen schleichen.
Der setzt sich neben mich und sprach sodann:
"Mir scheint du bist betrübt, man sieht es deinem Antlitz an."

Ich sprach: "Ja Kater, ich fragte die Großen und auch die Kleinen,
Weise, Bettler, Götter gar, wie hielt den Menschengeist man nur im Reinen.
Doch keiner konnte es mir sagen...
Und nun vernimmst du hier mein Klagen..."

Der Kater lachte, sprach: "Höre endlich auf zu klagen.
Ehe jenen du ein Worte glaubst, lasse dich ans Kreuze schlagen.
Denn das macht glaubwürdig, so scheint's mir bei der Menschheit.
Doch frohlocke nun, zu helfen bin ich gern bereit."



Da nahm der Kater von Sulphur einen Brocken nur
und warf ihn in den Teich, der funkelnd silbrig pur.
Er hob die Tatze zeigend, blickte fröhlich drein,
sprach: "Wahrheit findest du im Teich, blicke nur hinein."
Ich blickte in den Teich nun und las geschrieben: Anima.
Da fragt' ich gleich: "Was sage mir das Wort denn da?"
Der Kater sprach: "Einfach sei's, der Schlüssel ist es doch.
Lass' die Menschen nur und spann dich vor das Narrenjoch.
Berühre ihre Seelchen, das ist der beste Weg,
Und Lachen, scheint's, ist zu Seeleninseln noch der beste Steg."
Und als er dies gesagt, zog der Kater rasch von dannen,
doch aus meinem Geist konnt' Zweifel ich nun endlich bannen.

Ich bin der grimme Geist,
kein Lachen verzieht mir meine Miene.
Und dennoch, ein Narr schein' ich euch so dreist
zu sein, wie ich euch diene.

Euer Lachen sei meine ewig Speise
auf meiner endlos Kosmos-Reise.
Ob ihr mir höhnt,
oder Freud' aus euren Seelen strömt,
es ist mir gleich,
bin ich doch an Nächsten-Freude reich.

Und nun sollt ihr lachen
und eigene Erkenntnis machen!