Der Alte

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Auch wenn ich nicht weiß, ob je ein Mensch diese Zeilen wirklich lesen wird, so will ich dennoch das Wort an dich richten, mein Leser – seist du nun real oder doch nur eine Vorstellung. Dieses Schriftstück, das dich auf diesem ungewohnten Wege fand, soll ein Zeugnis sein, meines Lebens und meines Sterbens.

Doch wo soll ich beginnen? Zwar mögen Papier und Tinte mir durchaus nicht knapp sein, doch vermag ich die rasende Furcht in meinem Herzen und das furchtbare Jucken an meinem Hals kaum mehr zu ertragen, weshalb ich nicht unnötig Zeit mit Worten verlieren will, die niederzuschreiben nur Augenblick um Augenblick an mein gefühlt zeitloses Martyrium hängen.

So will ich es dabei belassen, dass mein Name Lydia ist. Doch halt, eigentlich ist dies ja gar nicht wahr. Vielmehr sollte ich sagen, dass ich in jenen letzten Tagen den Namen Lydia trug. Denn die Namen wechselte ich wie meine Erscheinung.

Im Kaiserreich war ich weithin als „Die Maske“ bekannt, als Räuberin ohne Gesicht, die die Menschen erst um ihr Leben und dann um ihre Habe brachte. Im ganzen Reich suchte man nach mir; allein wie will man jemanden finden, der sich nie offenbarte? An dieser Stelle ist es durchaus nicht der Stolz, der aus mir spricht, wenn ich bemerke, dass ich mein Handwerk wirklich trefflich verstand. Angestrengt suchten sie nach mir und waren sich doch nicht bewusst, dass ich in neuer Maskerade so oft direkt vor ihnen stand.

Doch sollen diese Zeilen keine Aufzählung aller meiner Vergehen sein; denn selbst wenn ich sie bereuen würde – was ich durchaus nicht tue – so wäre ich wohl kaum dazu imstande, mich der Einzelheiten zu erinnern. Denn ich betrieb dieses Spiel der Masken, Charaktere und Namen so exzessiv und über so viele Jahre, dass ich tatsächlich meinen wahren Namen vergessen habe. Ihr, werter Leser, werdet Euch nun sicher köstlich ob dieser Einfalt amüsieren, doch warum soll man an Dingen festhalten, die keine Bedeutung mehr besitzen? Ich war stets jene, die ich sein musste, um mein Ziel zu erreichen. Und so bin ich nun, da ich diese letzten Zeilen meines Lebens schreibe, Lydia die Hausmagd.

Ihr mögt Euch nun fragen, warum eben jene Rolle das Ende meines Lebens einnimmt und genau jene Umstände sind es, die ich in diesem Papier darlegen möchte.

Gefunden habe ich diese letzte „Anstellung“ im späten Herbst des Jahres 1763. Die Ersparnisse meines letzten Raubzugs waren längst aufgebraucht und ich in einer durchaus verzweifelten Situation. Hatte ich doch stets die Neigung, die klingenden Münzen mit vollen Händen für mein persönliches Wohlbefinden auszugeben, anstatt einen kleinen Notgroschen für schwierige Zeiten beiseite zu legen. Ihr mögt mich für diese Einfalt nun schelten; doch ich bin mir bewusst, kein tugendhaftes Leben gelebt zu haben. Tatsächlich war dieser stete Wechsel aus Überfluss und Mangel es, der mich Antrieb und mich erfinderisch machte.

Doch diesmal war es anders, denn nicht mein eigenes Geschick war es, das mir den Weg eröffnete; nein bloßer Zufall in Form der Bekanntschaft mit einigen Seeleuten aus dem südwestlichsten Winkel Itas sollte mir diesmal den Weg weisen. Diese waren gerade in einem kleinen Fischerdorf zugegen und meinem geübten Auge fielen schnell die eigentümlichen Goldstücke auf, die diese in der lokalen Taverne im Austausch für Wein und Weib unter die Leute brachten. Darauf angesprochen, woher Seeleute denn solch ein Zahlungsmittel hatten – man würde dergleichen ja eher bei Bergleuten vermuten – berichteten sie mir freimütig, wohl auch aufgrund des Trunks, der ihnen die Sinne benebelte, von ihrem besonderen Kunden, einem alten Einsiedler der auf einer abgelegenen kleinen Insel vor der Küste lebte. Dieser orderte bei den Schiffen, die seine Insel passierten, in regelmäßigen Abständen die Lieferung verschiedenster Güter. Da das Meer in jenen Gefilden durchaus nicht ganz ungefährlich war, zahlte er recht gut auch für die einfachsten Dinge. Woher sein Reichtum jedoch stammte oder was er dort allein eigentlich trieb, das wusste niemand in der Runde. Doch bei einer solchen Bezahlung fragte man nicht nach. Auch war die Konkurrenz

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recht groß, denn unter den Seeleuten war der alte Stranyy – so hieß der Einsiedler – weithin bekannt und so mancher Kapitän nahm einen Umweg in Kauf, um mit dem freigiebigen Mann den ein oder anderen Handel abzuschließen.

Die Geschichte hatte natürlich sofort meine volle Aufmerksamkeit erhalten. Da ich jedoch noch nicht recht wusste, wie ich diesen speziellen Fall angehen sollte, bemerkte ich seufzend, dass ich es in jenem Moment sehr bedauerte, kein Seemann zu sein, denn ein kleines Einkommen konnte ich gut gebrauchen. Da begann ein anderer in der Runde zu sprechen und erklärte, dass der Alte tatsächlich bei ihrem letzten Besuch neben den Waren des täglichen Bedarfs auch verlangte, man möge doch nach einer Magd Ausschau halten, die bereit war, in den Monaten des kommenden Winters bei ihm zu arbeiten. Doch bisher habe man noch keine Frau finden können, die sich so lange von der Heimat trennen wollte.

Das war eben die Gelegenheit – oder das Verhängnis, man mag darin sicher beides sehen – derer ich bedurfte und schnell erklärte ich, dass ich sehr gern bereit wäre, mich dieser Anstellung zu widmen. Man sagte mir, dass man in wenigen Tagen aufbrechen würde. Sollte mir wirklich daran gelegen sein, so sollte ich mich einfach unten am Anleger einfinden.

Und so fand ich mich kurz darauf auf dem alten Kahn wieder, der mit vollen Segeln meinem neuen Heim entgegen trieb. Die Reise als solche war wenig bemerkenswert. Allein an die Erklärung des Kapitäns, dass im Winter keine Schiffe ihren Weg zu jener Insel fanden, da Stürme und Riffe des Manövrieren unmöglich machten, kann ich mich auch heute noch erinnern. War mir in eben jener Situation die Bedeutung, welche jene Worte in sich trugen, noch nicht bewusst, so sollte es sich bei eben jener beiläufigen Bemerkung doch um den Samen handeln, der letztlich die Frucht meines Untergangs hervorbrachte.

Schon aus der Ferne zeugte das seltsame Eiland von einer Lebensfeindlichkeit, welche ich in meinem Leben noch nie in solcher Vollendung sehen durfte und die mich zunehmend daran zweifeln ließ, ob es sich hierbei wirklich um die Heimstatt eines wohlhabenden Einsiedlers handeln konnte. Dennoch konnte ich nicht umhin, diesen eigentümlichen Flecken der Welt mit einer gewissen Faszination zu betrachten. Bis auf einen kleinen Sandstrand, auf dessen primitive Anlegestelle unser Schiff zusteuerte, bot das Eiland dem Reisenden keinerlei Zutritt. Steil und schroff war die gesamte sichtbare Küste jenes Ortes und wenn ich auch die Rückseite nicht zu sehen vermochte, so konnte ich mir nicht vorstellen, dass es dort anders aussehen würde. Doch selbst wenn ein Abenteurer den Wunsch gehabt hätte, die steilen Klippen zu erklimmen, so wäre sein Boot wohl an der Vielzahl scharfkantiger Felsen zerschellt, die die Insel gleich einem natürlichen Schutzwall umgaben. Es schien, dass es sich hierbei nicht wirklich um eine Insel handelte, als vielmehr um die Überreste einer größeren Landmasse, die im Verlaufe der Zeitalter von den tosenden Wellen zermahlen wurde.

Als es der Steuermann vollbrachte, trotz der rauen See, das Schiff sicher an jenen kleinen Zufluchtsort am Strand zu steuern, war ich ausgesprochen erleichtert, meine Füße wieder auf festen Boden setzen zu können. Der Kapitän befahl der Besatzung das Abladen der Güter, winkte mir zu und bemerkte, ich sollte ihm doch folgen. Er wollte mich beim alten Stranyy vorstellen.

Von unserem sandigen Landepunkt führte ein schmaler Pfad hinauf zum eigentlichen Hauptsegment der Insel, das sich als Plateau über die wütende See erhob. Auf dem Weg hinauf verstärkte sich der Eindruck der Tristesse, der mich schon aus der Distanz in seinen Bann schlug, nur noch mehr. Nur wenige Pflanzen konnte man hier sehen. Einige Grasflächen hatten das bisschen Erde in Besitz genommen, welche dieses Eiland bot und hier und da fand sich ein Strauch oder ein kümmerliches Bäumchen. Ihnen allen war jedoch gemein, von ausgesprochen kränklicher Erscheinung zu sein, sodass sie kaum dazu imstande waren, die ihnen sonst zugesprochene erholsame Wirkung auf die menschlichen Seele zu entfalten. Ob jenes Trauerspiel jedoch auf den ausgezehrten Zustand des Bodens zurückzuführen war oder aber lediglich von jener späten Zeit des Jahres zeugte, war mir

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unklar. Den Großteil der Insel beherrschte jedoch eine deprimierende graue Einöde aus Schotter und Felsen und stellenweise war es schwierig zu erkennen, wo die Felslandschaft der Insel endete und das graue Meer der Wolken am Himmel begann.

Nur zwei Dinge stachen aus dem grauen Einheitsbrei dieser verlassenen Gegend heraus. Das Erste befand sich am Ende jenes Pfades, welchen wir hinauf schritten. Ein kleines Holzhaus, was wohl die Heimstatt des Alten sein würde. Das Haus war sowohl stilistisch als auch in seiner Ausdehnung bemerkenswert schlicht und niemand hätte wohl vermutet, darin das Heim eines derart wohlhabenden Menschen zu finden. An einem anderen Ort hätte ich das Gebäude wohl kaum eines Blickes gewürdigt. Doch inmitten dieser einsamen Leere, entfaltete es eine eigentümlich mystische Atmosphäre und ich konnte nicht umhin, mich an die ein oder andere Geschichte zu erinnern, in denen es Hexen oder Magier waren, die in genau solchen Hütten hausten.

Trotz seiner befremdlichen Atmosphäre wurde das Haus jedoch durch das zweite Objekt deutlich in den Schatten gestellt und dies gleichermaßen im übertragenden als auch im wörtlichen Sinne – übertraf es ersteres doch sowohl in seiner Wirkung als auch in seiner Größe. Es handelte sich um einen abgestorbenen Baum der ein gutes Stück abseits das Hauses in den Himmel ragte und mit seiner grotesken, knorrigen Form und seiner ausgesprochen dunklen Rinde gänzlich den Blick des Betrachters in seinen Bann schlug.

Meine Augen verharrten noch einige Zeit auf diesem bizarren Gewächs, als der Kapitän mit einem lauten Klopfen an der Haustür unser Erscheinen meldete. Zunächst hörte man lediglich das Rauschen der fernen Wellen, doch dann näherte sich ein leises Klopfen. Die Tür öffnete sich mit einem lauten Knarren und gab den Blick auf einen kleinen, alten Mann frei, der auf einen knorrigen Stab gestützt hinter selbiger hervorschaute. Seine Erscheinung war im Rahmen seines bizarren Wohnorts und seines offensichtlichen Reichtums bemerkenswert banal. Gekleidet in einfaches Leinen, wie man es oft bei den Bewohnern dörflicher Regionen sah, konnte man die hagere Gestalt mit dem schütteren grauen Haar für einen einfachen Großvater vom Lande halten, der in den letzten Jahren seines Lebens von seiner Familie versorgt wurde. An solch einem Ort jedoch hätte ich mich ernsthaft fragen müssen, wie die kleine Gestalt überleben konnte.

Der Kapitän und der Alte tauschten einige Worte über die Ladung aus, bevor man mich vorstellte. Tatsächlich beendete Stranyy die Erläuterungen jedoch recht abrupt und ohne viel von mir erfahren zu wollen, orderte er den Kapitän die Ladung herbeizuschaffen. Indes wurde ich in das Haus gebeten. Mit offensichtlicher Mühe schleppte sich der Alte gebeugten Rückens durch den kleinen Flur und deutete auf die Türen, dabei nur stoisch die Worte „Waschraum“, „Küche“, „Keller“, „Wohnzimmer“ und „deine Kammer“ sagend. Dann hielt er kurz inne und fragte, ob ich Waschen, Kochen und das Haus sauber halten könne. Als ich dies bejahte, wandte er sich mir zu und fragte, ob Familie meine Rückkehr erwarten würde. Meine Verneinung beantwortete er mit einem wortlosen, kurzen Nicken, doch ein Schauer durchfuhr mich, als er mich in jenem Moment mit seinen stahlblauen Augen fixierte.

Der Rest jenes Tages jedoch verlief wenig ereignisreich. Die Matrosen schafften die Vorräte in den Keller des Haus, während ich meine neue Heimstatt in Augenschein nahm. Die Küche, der Waschraum und der Keller waren schlicht eingerichtet und enthielten all die notwendigen Dinge, die ein Überleben an diesem Ort erforderte. Meine Kammer entsprach mit ihrer spartanischen Beengtheit durchaus nicht dem Lebensstil, dem ich sonst zu frönen pflegte. Doch jeder Gedanke an das funkelnde Gold, welches sich hier irgendwo verbergen musste, bestärkte mich darin, die Zeit hier schon überleben zu können. Überrascht hatte mich jedoch das Wohnzimmer, in dem der Alte offensichtlich den Tag verbrachte. Neben einem kleinen Tisch fanden sich hier ein einfaches Sofa mit einem Kissen und einer Decke, auf der er wohl zu nächtigen pflegte, ein kleiner Kamin sowie ein Schreibtisch und einige Regale und Ablagen. Diese schlichte Einrichtung wäre jedoch kaum eine Erwähnung wert gewesen, hätte sich mir nicht der einzigartige Anblick eines Durcheinanders aus Büchern, Papieren und seltsamen Werkzeugen offenbart, das jeden freien Winkel des Raums

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ausfüllte. Als ich zu verstehen suchte, was genau der Alte hier trieb, drängelte er sich neben mir in den Raum und begann in seinen Taschen herumzuwühlen. Dann zog er ein kleines Goldbröckchen daraus hervor, drückte es mir in die Hand und bemerkte harsch und hastig, dass ich das Abendessen vorbereiten sollte. Dann tapste er hinüber zu seinem Arbeitstisch, erleuchtete eine kleine Lampe und widmete sich, ohne mich weiter zu beachten, seinen Studien.

Die Unbedarftheit und Naivität, mit der dieser Mensch sich mir gegenüber verhielt, hätte mich eigentlich irritieren sollen, doch das funkelnde Gold in meinen Händen überstrahlte jede Form der Vorsicht, die an dieser Stelle angeraten gewesen wäre. Und so dachte ich allein an das Glück welches das Schicksal mir bescherte, indem es mir ein so wohlhabendes und zugleich vollkommen wehrloses Ziel gegeben hatte. Zunächst jedoch musste ich herausfinden, wo der Alte das Gold versteckte. Erst danach konnte ich mich seiner entledigen. Auch hieß es, unabhängig davon, wann ich mit meinem Plan letztlich Erfolg haben würde, die Zeit des Winters und der Stürme auf diesem Eiland auszuharren, bevor erneut ein Schiff an jener schroffen Küste anlanden würde.

Die Flucht sollte dann kein großes Hindernis mehr darstellen. Zeichneten sich die Seeleute doch vornehmlich durch ihre Gier und weniger durch ihre Menschenliebe aus. Und so würden sie mich bei einer angemessenen Bezahlung sicher wieder zum Festland bringen, ohne allzu viele Fragen zu stellen. Zunächst jedoch hieß es, gut Miene zum bösen Spiel zu machen und gänzlich in der Rolle der braven Magd aufzugehen, bis ich das Ziel meines Begehrens ausfindig machen konnte.

Die Seeleute verließen uns, nachdem die Ladung gelöscht und der angemessene Lohn ausgezahlt worden war. Von da an waren es nur noch wir zwei auf jenem Flecken Land inmitten der tosenden See – die Maske und der alte Stranyy. Gesellschaft leistete uns nur jener bizarre Baum, der etwas abseits des Hauses thronte und dem, trotz seines offensichtlichen Ablebens der harsche Wind in jener ungeschützten Umgebung nichts auszumachen schien. Ja, man konnte fast meinen, das alte Gehölz wäre tatsächlich aus Stein, da sich kein Ast oder Zweig im Wind zu wiegen pflegte, wie dies bei einem Baum jener Größe zu erwarten gewesen wäre. Doch dachte ich zu Beginn wenig darüber nach, galt meine Aufmerksamkeit doch einem ganz anderen, deutlich verborgeneren Anliegen.

So vergingen die ersten Wochen, in denen mein Alltag vor allem von den häuslichen Tätigkeiten geprägt war. Jeden Morgen, wenn ich in die Küche trat, saß der alte schon an dem kleinen Esstisch neben dem Fenster und wartete auf das morgendliche Mahl. Mein spätes Erwachen schien ihn nicht zu stören. Zumindest machte er keinerlei Anstalten, mich zu wecken.

Doch es war durchaus nicht ganz leicht, sich zu früher Stunde aus dem Bett zu erheben, da kein Hahnenschrei vom anbrechenden Morgen kündete und auch die Sonne nur selten unter dem grauen Wolkenschleier hervorzuschauen wagte. Auch gab es in diesem Haus nicht eine einzige Uhr, die mir als Orientierung über das Fortschreiten des Tages hätte dienen können. Wenn ich dann endlich angekleidet in die Küche eilte, ärgerte ich mich regelmäßig über die Tür meines Zimmers, welche nicht richtig schloss, sodass man sie zwar anlehnen aber nicht gänzlich verschließen konnte, was meinem Wunsch nach ein wenig Privatheit doch stark zuwider ging.

Da die Arbeit aber nur ein Mittel zum Zweck war und ich mich des Alten zu gegebener Zeit ohnehin entledigen würde, nahm ich die alltäglichen Belange einfach als gegeben hin, solange er sich nicht beklagte. Im meinem Leben hatte ich schon in vielen Haushalten meine Tage zugebracht und so kannte ich die Abgründe, die mit einer Tätigkeit als Magd verbunden sein konnten. Doch Stranyy war ein bemerkenswert ruhiger und einfacher Herr. Üblicherweise verlor er kein Wort bezüglich meiner Tätigkeit. Nur wenn ich versuchte, ein wenig Ordnung in den Wohnraum zu bringen und dabei seine Bücher und Papiere anrührte, wurde er ärgerlich und befahl, ich solle doch andernorts meinen Lappen schwingen. Die stetig dicker werdende Staubschicht in jenem Zimmer veranlasste mich jedoch, zumindest von Zeit zu Zeit ein wenig Ordnung in jene eigentümliche Kammer bringen zu wollen und so bemühte ich mich, mich nur dann dort aufzuhalten, wenn der Alte anderweitig beschäftigt war. Wenngleich er es doch immer bemerkte, dass seine Unterlagen bewegt wurden,

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schien ihn der Anblick des gereinigten Zimmers doch so zu besänftigen, dass er, statt sich offen zu beklagen, nur immer ein entnervtes Schnauben von sich gab, anstatt mich offen zu schelten. Nur in seiner Gegenwart durfte ich nicht einmal versuchen, dort meiner Arbeit nachzugehen.

Die Arbeiten im Haus waren bemerkenswert einfach und die Zeit, abseits des Waschens, Putzens und Kochens konnte ich nach Belieben selbst gestalten. Zunächst nutzte ich diese Gelegenheit, um die Insel zu erkunden, hoffend, dass ich doch endlich die Quelle von Stranyys Reichtum finden würde. Doch sehr schnell lernte ich, dass es hier außer Felsen und einigen verkümmerten Pflanzen nichts zu entdecken gab. Abseits des Hauses existierte nur ein kleiner Brunnen, aus dem wir das Wasser des täglichen Bedarfs schöpften und jener bizarre Baum.

So begnügte ich mich damit, an den Klippen entlang zu wandern und dem Tosen des Meeres zu lauschen. Die Seeleute hatten nicht übertrieben; war das Meer um jene Insel doch fürchterlich zornig und im Zuge der Felsen, die vereinzelte aus dem Wasser ragten, war es verständlich, dass sich zu dieser Zeit des Jahres kein Schiff in diese Breiten wagte. Ab und an ging ich auch hinab zu dem kleinen Steg, an dem ich diese Insel einst betreten hatte und ich träumte von jenem Tag, an dem ich diesen betrüblichen Flecken Erde mit den Taschen voller Gold wieder verlassen würde.

In Ermangelung weiterer Landmarken wurde jedoch der bizarre Baum zu einem regelmäßigen Ziel meiner Spaziergänge. So deprimierend seine Erscheinung auch war, so sehr faszinierte mich dieses vollkommen deplatziert wirkende Gewächs doch. Aus der Nähe erkannte ich, dass das Holz wirklich fast schwarz und gänzlich unbeweglich war. Bei genauerer Untersuchung bemerkte ich einen einzelnen, tiefgelegenen Ast mit einigen schwachen Zeichnungen, die mich an eine Art Kratzspur erinnerten. Sie waren kaum zu sehen und einem Auge, das deutlich weniger geschult war, als das meine, wären sie wohl kaum aufgefallen.

Mehrmals betrachtete ich das seltsame Mal aus der Distanz. Doch irgendwann siegte meine Neugier und ich wollte mir diese kuriose Unregelmäßigkeit aus der Nähe ansehen. Die günstig gelegene Position des Asts und eine alte Wurzel ermöglichten mir, ein Stück hinaufzuklettern und ihn besser zu betrachten. Aufgrund der Färbung konnte ich jedoch noch immer nicht genug erkennen und so beschloss ich, dass der Ast vom Baum gebrochen werden musste. Mein Versuch, ihn abzubrechen, scheiterte jedoch, da er auch unter dem gesamten Gewicht meines Körpers nicht die kleinste Biegung zeigte. Da wurde mir klar, dass jener Baum gleichermaßen alt wie auch tot und damit vermutlich wirklich schon versteinert sein musste. Ich hatte bereits davon gehört, dass man von Zeit zu Zeit bei Grabungen derlei Überreste vergangener Zeitalter gefunden hatte. Allein ein ganzer Baum mit solchen Qualitäten war mir neu.

So versuchte ich beim alten Stranyy zu erfragen, was es mit diesem steinernen Riesen doch auf sich hatte. Dieser entgegnete aber nur mürrisch, der Baum habe schon immer dort gestanden und ihn kümmere das alte Ding nicht. Da der Alte auf weiteres Nachfragen bezüglich der eigentümlichen Qualitäten des Gehölzes nicht reagierte, ließ ich dieses Thema fallen und verbrachte, auch aufgrund der hereingebrochenen eisigen Temperaturen, deutlich mehr Zeit im Haus als zuvor.

Die Tage wurden zunehmend eintönig und glichen sich so immer mehr dem grauen Himmel an, der über uns thronte. In Anbetracht der gefühlt zerfließenden Zeit begann ich, ein Tagebuch zu schreiben. Weniger, da die alltäglichen Verrichtungen hier eines Berichtes bedurften, als vielmehr um meinen Geist zu fokussieren und mein Gefühl für das Fortschreiten der Zeit nicht gänzlich zu verlieren.

Nachdem ich einige Tage diszipliniert alle meine Verrichtungen notiert hatte, macht ich jedoch den Fehler, die alten Einträge zu lesen und bemerkte hierbei, wie diese allesamt inhaltlich gleich und damit vollkommen austauschbar wurden. Die Tage begannen stets mit einem grauen Himmel, der mich durch das Fenster grüßte. Der alte Stranyy saß bereits in der Küche und harrte schweigend des Frühstücks, welches ich zubereitete. Dabei bemerkte ich zusehends das Pfeifen, das der durch seine

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Nase zischende Atem erzeugte und dass mich in Anbetracht der alltäglichen Armut an neuen Impressionen zunehmend reizte. Dann hieß es putzen und waschen und kochen – tagein, tagaus.

Frustriert schob ich meine Einträge beiseite und schaute aus dem Fenster, in der Hoffnung, mein Blick würde einer kleinen Abwechslung habhaft werden. Doch da ragte nur der alte Baum, gleich einem umgekehrten Blitz vom Boden dem Himmel entgegen. Wenn sich des Nachts von Zeit zu Zeit einmal der Mond hinter einem Loch in der sonst so dichten Wolkendecke zeigte und die Dunkelheit für einen Augenblick mit seinem Schein erhellte, dann zeichnete sich sofort die Silhouette dieses verdrehten Gewächses in der Finsternis ab. Ich zog es vor, meinen Blick schnell anderen Dingen zuzuwenden. Betrübte mich der Anblick dieses Baums doch auf eine Weise, die ich kaum beschreiben noch begründen konnte. Ob dies allein des immer gleichen Anblicks oder etwas anderem geschuldete war, weiß ich bis heute nicht.

In jenen Nächten verkroch ich mich oft schon zu früher Stunde in meinem Bett und wälzte mich unruhig umher. Doch selbst dort verfolgte mich der knorrige Riese. Fiel sein Schatten doch genau auf jene Wand, an der die kaputte Zimmertür lehnte. Obwohl ich dies nicht wollte, konnte ich doch nicht anders, als der Gestalt des Baumes zu folgen, die im Zuge des Spiels aus Mondlicht und Wolken an der Wand herumtanzte.

In jenen Nächten wurde mir erst bewusst, wie sehr mich der kleine Spalt, den meine Zimmertür doch immer offen stand, beunruhigte. In den meisten Fällen, konnte ich das Schimmern der Lampe aus dem Wohnzimmer sehen und selbiges wusste mich mit seinem warmen Licht doch ein wenig zu beruhigen. Doch zu später Stunde, da selbst der Alte endlich schlief, lauerte nur die Finsternis jenseits des Spalts. Und mehr als einmal hatte ich das beunruhigende Gefühl, als würden mich, just in jenem Moment, in dem mein Geist in das Land des Schlafes hinüber sank, zwei blaue Augen in der Dunkelheit fixieren. Da jedoch nie etwas vorfiel und diese Ereignisse auch von keinerlei Geräuschen begleitet wurden, sah ich darin lediglich die Grillen meines Verstandes, dem an diesem Ort nur wenige Reize geboten wurden.

Meine andauernde Suche nach den Schätzen des Alten war indes vollkommen erfolglos. In regelmäßigen Abständen überreichte er mir ein Stück des Goldes. Ob dies jedoch nach einer Woche, einem Monat oder einem anderen Rhythmus geschah, weiß ich nicht zu beantworten, da mir mein Zeitgefühl gleich meiner Lebensfreude gänzlich abhanden gekommen war. Stets trug er meine Bezahlung jedoch in einer seiner Taschen direkt am Leib. Woher er selbige jedoch holte, war mir gänzlich unbekannt. Irgendwann untersuchte ich in meinem Wahn sogar während des Waschens die Taschen seiner Kleidung. Vielleicht war diese ja magisch und konnte Gold aus dem Äther herbeirufen. Natürlich fand ich an dieser jedoch nichts außergewöhnliches. Es handelte sich um banale Stoffe, die regelmäßig gewaschen und von Zeit zu Zeit genäht werden mussten.

Trotz meines zunehmend angespannten Gemüts, musste ich jedoch weiterhin sein Geheimnis ergründen. So bemühte ich mich, herauszufinden, was genau er eigentlich tagtäglich dort studierte. Schien es doch, dass der Alte gänzlich für seine Folianten und Schriftrollen lebte. Ganz besondere Aufmerksamkeit schien er einem alten Wälzer zu schenken, welcher immer aufgeschlagen vor ihm harrte.

Im Zuge meiner Spionage musste ich mich jedoch geschickt anstellen. Denn so sehr er es hasste, wenn ich in seiner Gegenwart dort arbeitete, so viel mehr hasste er es, wenn ich denn aktiv versuchte, einen Blick in seine Unterlagen zu erhaschen. Und wenn er mich dabei erwischte, unter irgendeinem Vorwand in seiner Stube umherzustreifen, um beispielsweise seine Decke für die Wäsche zu holen, und dabei einen Blick über seine Schulter warf, wandte er sich zornig um und verwies mich des Raums. Ich bin mir tatsächlich nicht sicher, ob er seine Geheimnisse nicht mit mir teilen wollte oder ob meine bloße Gegenwart ihn störte. Einmal gelang es mir jedoch und ich konnte einzelne Fragmente erkennen. Leider warfen die unverständlichen Begriffe in jenem Buch, welches er so liebte, mehr Fragen als Antworten auf und der Anblick der wirren Zeichnungen sorgte schnell dafür, dass mir schwindelig wurde, sodass ich es vorzog, den Raum zu verlassen. Das

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einzige Wort, das ich gleichermaßen lesen wie auch mir merken konnte, war „Zanarth“ – ein Begriff dessen Bedeutung mir bis heute unbekannt ist.

Da es kaum möglich war, in seiner Anwesenheit in dem Buch zu lesen, begann ich im Zuge meiner eingangs erwähnten Reinigungsversuche nach weiteren Hinweisen zu suchen. Doch wenn Stranyy nicht anwesend war, so war auch sein geliebter Foliant verschwunden und ich musste mich doch sehr wundern, wie dieser gebrechliche alte Mann dieses Monstrum von einem Buch heben konnte. In meiner Anwesenheit hatte er es zumindest nie eigenhändig bewegt.

Der Alte schien jedoch im Zuge meiner Neugier misstrauisch geworden zu sein und so wurden die Momente, in denen er nicht in seiner Stube harrte, zunehmend kürzer. Irgendwann verbot er mir gänzlich, den Raum zu betreten, da ich dort alles in Unordnung bringen würde. Ich sollte mich doch um den Rest des Hauses kümmern.

So fasste ich den Plan, des Nachts einmal heimlich in seine Stube zu schleichen. Doch sehr zu meinem Verdruss musste ich feststellen, dass der Alte gleichermaßen wenig wie auch leicht schlief. Wenn ich zu Bett ging, saß er noch im Licht seiner Lampe über seinen Unterlagen. Erst spät des Nachts kündete die Finsternis jenseits des Türspalts von der Nachtruhe Stranyys. So legte ich mich auf die Lauer und als das Licht erloschen und er sich niedergelegt hatte, harrte ich noch eine Weile, bis sein Schnarchen mir verdeutlichte, dass er wirklich eingeschlafen war. Doch kaum hatte ich nur einen einzelnen Schritt in den Flur getan, erwachte er und rief, wer denn im Haus umging. Ich entgegnete, dass ich es offensichtlich war. Denn wer sonst konnte sich hier aufhalten? Ich wäre nur auf dem Weg zur Küche gewesen, um etwas zu trinken.

Meine Versuche der Spionage scheiterten kläglich, was ich auch versuchte. Mein Gemüt verfinsterte sich mit jedem Tag und auch wenn mir dies zunehmend schwerer fiel, erging ich mich in der Rolle der Hausmagd, in der Hoffnung, doch endlich den Schatz finden zu können. So verging ein Tag nach dem anderen. Der pfeifende Stranyy erwartete mich in der Küche, der Wind strich über die Insel, der Baum harrte bedrohlich jenseits meines Fensters. Und obwohl absolut nichts geschah – oder vermutlich genau deshalb – verließen mich zusehends alle Lebensgeister. Auch machte sich eine seltsame Nervosität in mir breit, die mich dazu veranlasste, mich beständig zu kratzen. Erkannte ich das auch über längere Zeit nicht, so zeugte der Anblick meines wund gekratzten Halses im Spiegel doch irgendwann sehr deutlich von dieser ungesunden Neigung.

Regelmäßig fragte ich mich, wie lange ich schon an diesem Ort war und wie lange ich noch ausharren musste. Stranyys Schatz hatte ich an diesem Punkt bereits aufgegeben und die reine Bezahlung für meine Arbeit würde mich auch so eine ganze Weile über die Runden bringen. Der Stolz der Meisterdiebin hatte mich verlassen und ich begnügte mich mit dem Gedanken, für meinen Lohn zu arbeiten. Allein der Winter musste endlich sein Ende finden.

Dann kam jedoch der Morgen, an dem mich alle Kraft verlassen hatte. Unfähig, mich aus dem Bett zu erheben, harrte ich aus, schlaff und leer die Decke anstarrend. Alle meine Gedanken waren verschwommen und es war mir unmöglich, meinen Geist auf irgendetwas zu fixieren. Wie lange ich dort lag, weiß ich nicht mehr. Allein irgendwann bemerkte ich ein einzelnes Geräusch, ein leises Pfeifen aus dem Nachbarzimmer. Obwohl ich noch immer dort lag, harrte der Alte in der Küche seines Frühstücks und macht keinerlei Anstalten nach mir zu sehen. Ich konnte ja schwer erkrankt sein. Ich hatte jedoch nicht mehr die Kraft oder den Willen, mich zu erheben und so harrte ich aus, mit dem Pfeifen des Alten im Ohr.

Immer mehr versank ich in meiner Lethargie, als mich ein lauter Donnerschlag furchtbar erschreckte und wieder in die diesseitige Welt fortriss. Ein Gewitter begann über die Insel zu fegen und tatsächlich war es das erste, welchem ich an diesem Ort beiwohnte. Der Laute Knall ermöglichte es mir jedoch, mich zu sammeln und zu erheben. Hastig legte ich meine Kleidung an und stampfte in die Küche, in der der Alte im Zwielicht des Unwetters harrte. Trotz meiner

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offensichtlichen Verspätung machte er keinerlei Anstalten auch nur ein einziges Wort an mich zu richten. Alles was ich von ihm hörte, war das widerwärtige Pfeifen seiner krummen alten Nase, das meiner zunehmenden Anspannung durchaus nicht förderlich war.

Zornig bereitete ich das Frühstück und knallte ihm selbiges hin. Dies war der erste Moment, in dem er vom Tisch aufschaute und mich eines Blickes würdigte. Doch schnell wandte er sich wortlos seinem Essen zu. Ich rannte zurück in mein Zimmer und rollte mich auf meinem Bett zusammen, während das Gewitter über uns tobte.

Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich in jenem Moment schlief oder doch nur gedankenlos in die Leere starrte. Doch die Stunden jenes Tages verrannen, ohne dass ich auch nur das Geringste vom stetig fortschreitenden Zeitenlauf mitbekommen hätte. Als ich erneut zu Sinnen kam, hatte der Tag längst sein Ende gefunden. Zu meinem Erstaunen zeigte sich jedoch in jener Nacht der Mond an einem wolkenlosen Himmel, wie ich ihn an diesem Ort noch nicht gesehen hatte, und erhellte mit seinem unwirklichen, fahlen Schein mein Zimmer. In der Ferne sah ich die bedrückende Silhouette des garstigen Gewächses aufleuchten und mein ausgesprochen geringes Interesse an einer näheren Betrachtung desselben gepaart mit einer großen Müdigkeit, die ich mir in Anbetracht des verschlafenen Tages nicht erklären konnte, ließ in mir den Wunsch erwachsen, so schnell es nur ging in die gedankenlose Leere des Schlafs zurückzukehren. Das Schicksal war mir in jener Nacht auch gnädig und ließ mich eindösen, bis mich ein Geräusch langsam wieder erwachen ließ.

Ein leise Quietschen drang vom Ende des Flurs an mein Ohr und schwach konnte ich den flackernden Schein einer Laterne sehen, der in der Dunkelheit verschwand. Schnell wurde mir klar, dass der Quell jenes Lauts die Haustür war, die mich einst mit diesem furchtbaren Geräusch begrüßte und die in jenem Moment vorsichtig geschlossen wurde.

Irritiert dachte ich darüber nach, ob es Stranyy war, der sich zu jener späten Stunden noch nach draußen wagte. Doch dann hätte das vertraute Klopfen seines Stocks mich lange vor dem Schließen der Tür aus meinem leichten Schlaf auffahren lassen müssen. In der Hoffnung, mehr über diese nächtlichen Umtriebe erfahren zu können, blickte ich aus dem Fenster hinaus in die Nacht und harrte, ob sich dort jemand zeigen würde. Nur wenige Augenblicke vergingen, da erschien in meinem Augenwinkel das Licht der Laterne und mit ihr eine Gestalt, welche in eine lange Robe gehüllt in Richtung jenes verhassten Baums schritt. Übermüdet versuchte mein benebelter Geist die Fragmente des Gesehenen zusammenzusetzen. Wer war diese Gestalt? Die Logik gebot, dass es sich um den Alten handelte, da sich sonst niemand an diesem Ort aufhielt. Doch schleppte sich jene Figur nicht in solcher Weise mit einem Stock voran, wie Stranyy dies zu tun pflegte. Nein, sie ging festen Schritts und ohne jedes Zeichen greiser Schwäche. Doch dies würde nahelegen, dass sich noch jemand an diesem Ort aufhalten musste.

Als ich jene Kette meiner Gedanken beendete, hatte die Gestalt endlich den Baum erreicht. Aufgrund der Distanz war es schwer, nähere Details zu erkennen. Jedoch bemerkte ich, dass sie die Laterne beiseite stellte und den Himmel zu betrachten schien. Dann begann sie auf eigentümliche Weise zu gestikulieren. Was sie jedoch genau dort trieb, konnte ich nicht ausmachen. Vielleicht handelte es sich um einen Zauberer, der etwas heraufbeschwören wollte. Vielleicht war es aber auch ein Schurke, der es für nötig hielt, seine Glieder zu dehnen, um einen geheimen Schatzhort besser öffnen zu können. Allein die Bewegungen war zwar zu erkennen, schienen jedoch für beiderlei Versionen zu unregelmäßig zu sein. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, so hätte ich denken können, dass die Gestalt im Gespräch mit einem anderen wild gestikulierte. Vielleicht tat sie das ja wirklich.

Eine Weile beobachtete ich jene surreale Szene, doch letztlich siegte die Müdigkeit über mein Bemühen, die Geheimnisse jener Begebenheit zu ergründen und mit dem Bild der Gestalt vor dem Baum, der in jenem Moment leicht zu glühen schien, dämmerte ich hinüber in einen tiefen Schlaf.

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Das Erwachen des nächsten Morgens war von verwirrender Natur. Erinnerte ich mich doch noch an meine nächtliche Beobachtung, so war das Bild doch unklar und ich war mir durchaus nicht mehr sicher, ob sich dies wirklich zutrug oder ob ich nur einem kuriosen Traumbild aufgesessen war.

Jene seltsame nächtliche Episode war jedoch das letzte Ereignis, welches ich im Rückblick noch klar in eine zeitliche Reihe einordnen kann. Danach verschwamm die Zeit in einer solch extremen Weise, dass es mir unmöglich ist, genau zu benennen, ob zwischen den einzelnen Fragmenten meiner Erinnerungen, welche mir geblieben sind, nun Stunden, Tage oder gar Wochen lagen.

Ich kehrte jedoch in den alten Alltagstrott zurück und bemühte mich, die Maskerade für den Rest meiner Zeit auf jenem Eiland aufrecht zu erhalten. Hätte ich durch Zufall noch des Geheimnis von Stranyys Reichtum lüften können, so wäre dies zwar erfreulich gewesen. Doch begnügte ich mich auch mit der grundlegenden Bezahlung für meine täglichen Pflichten, die bereits ein kleines Vermögen ausmachte.

Waren die Arbeiten im Haus zu Beginn noch eine banale Angelegenheit, so fiel es mir jedoch zunehmend schwerer, mich zu konzentrieren und diese in angemessener Weise zu versehen. Und dies lag nicht einmal an den Arbeiten selbst, deren Aufwand sich in keinster Weise geändert hatte, als vielmehr an der steten Gegenwart des Alten, die ich immer weniger zu ertragen vermochte. Sah ich zu Beginn noch einen kauzigen, alten Mann in ihm, so wirkte er zunehmend wie ein verschrobener Kobold, der sich durch die Schatten schlich.

Das stete Pfeifen seiner Hakennase begleitete mich im ganzen Haus. Und wenn ich mich in seiner Gegenwart aufhielt, so hatte ich immer das Gefühl, dass seine listigen blauen Augen mir durchgehend folgten. Obwohl mein Verstand mir sagte, dass sich am Äußeren des Alten rein gar nichts geändert hatte, erschien er mir doch in einem ganz anderen Licht. Erst jetzt bemerkte ich, wie die knorrigen Finger und die dürren Glieder einem verschrumpelten Strauch glichen. Die Lethargie, die mich zunächst ergriffen hatte, wandelte sich zunächst in Ekel vor jener missratenen Gestalt. Der Ekel jedoch bereitete den Weg für eine zunehmende Anspannung meines Gemüts und gebar blanken Hass.

Wie lange ich trotz jener Verfassung doch täglich meine Pflichten versah, vermag ich rückblickend nicht mehr zu sagen. Doch dann kam jener Tag, an dem der letzten Faden der Geduld, an den ich mich verzweifelt klammerte, endgültig riss.

Ich war gerade dabei, das Abendessen zuzubereiten, als der Alte sich in die Küche schleppte und auf seinem Stuhl Platz nahm. Wenngleich ich ihn nicht sehen konnte, so war ich mir seiner konstanten Beobachtung doch sehr bewusst und das Pfeifen seines Atems dröhnte mir in den Ohren. Da ich nicht mehr bereit war, auf jene Weise weiter zu existieren, nahm ich das Küchenmesser in meine Hand, trat hinüber zu dem Alten, der mich mit seiner emotionslosen Miene fixierte und rammte ihm die funkelnde Klinge ohne auch nur einen Augenblick zu zögern in die Kehle. Als das Blut aus seinem sterbenden Körper rann und sein Atem gurgelnd ein Ende fand, fühlte ich endlich wieder etwas abseits des Hasses und Zorns, die sich so lange in mir aufgestaut hatten – Befreiung.

Zufrieden setzte ich mich auf den Stuhl gegenüber und betrachtete den leblosen Kobold eine Weile, darüber nachdenkend, dass ich dies schon vor langer Zeit hätte tun sollen. Tatsächlich war dies nicht das erste Leben, das ich genommen hatte. Doch zum ersten Mal erfüllte mich eine solch blutige Tat mit einer tiefen Zufriedenheit.

Dann jedoch erinnerte ich mich des seltsamen Wälzers, den der Alte zu lesen pflegte. Vielleicht hatte er diesen nicht versteckt und ich würde endlich darin lesen können. So eilte ich in die Stube, mir nicht einmal die Mühe machend, das Blut von meinen Händen zu waschen. Und zu meiner Freude entdeckte ich tatsächlich einen aufgeschlagenen Folianten auf dem Leseplatz des Alten. Emsig blätterte ich darin, eine Unzahl blutiger Spuren hinterlassend. Doch Stranyy würde sich wohl kaum mehr darüber beschweren können und für mich hatte der Wälzer keinen Wert.

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Nach einigem Suchen wurde mir jedoch bewusst, dass es sich nicht um den seltsamen Band handelte, in dem ich einst die bizarren Zeichnungen gesehen hatte. Vielmehr schien mir dies eine Art Geschichtsbuch in einem grünen Einband zu sein, wenngleich von hohem Alter. Ich las ein wenig hier und ein wenig dort. Es schien von einem alte Reich mit Namen Khizrai und seinen eigentümlichen Elixieren zu handeln. Doch meine Interesse an historischer Bildung war gering und so begann ich das ganze Zimmer nach jenem geheimnisvollen Buch zu durchsuchen, das der Alte so eifersüchtig gehütet hatte.

Für einen literarisch und historisch gebildeten Menschen wäre die Sammlung vermutlich eine Schatzkammer gewesen. Doch mir war eher an materiellen Gütern gelegen und so warf ich einen Band nach dem anderen frustriert in die Ecke. Irgendwann jedoch verließ mich meine Konzentration und ich beschloss, im Licht des neuen Tages nach einer langen Nacht erholsamen Schlafes meine Suche fortzusetzen. Da mich jedoch davor ekelte, in meinen besudelten Sachen zu ruhen und ich auch wenig Interesse daran hatte, diese aufwendig zu reinigen, entledigte ich mich selbiger mit Hilfe des Ofens und beschloss, mich am nächsten Tag einfach eines neuen Kleides zu bedienen.

In jener Nacht konnte ich tatsächlich Ruhe finden und ich schlief weit bis in den neuen Tag hinein. Glücklich erwachte ich, kleidete mich an und eilte in die Küche, um etwas zu essen. Dann jedoch erblickte ich den Alten auf seinem Stuhl sitzend. Nicht jedoch leblos und blutig, wie ich es erwartet hatte. Nein, lebendig und schwer atmend wie an jedem Morgen harrte er dort seines Mahls, kein einziges Wort über den letzten Tag verlierend.

Mir stockte der Atem, als ich die krumme Gestalt erblickte und ich zweifelte ernsthaft an meiner geistigen Gesundheit. Vermutlich war dies alles nur ein Traum gewesen, eine Wunschvorstellung die durch meine angestaute Frustration geboren wurde. Träume können erholsam sein, doch sind sie nicht real. Und so machte ich mich erneut daran, mich meinen alltäglichen Pflichten zu widmen.

Die Vorstellung des blutigen Mordes verschaffte mir eine Weile Befriedigung, doch es dauerte nicht lange, bis die Gegenwart dieses widerwärtigen, menschlichen Gesträuchs mich wieder in solcher Weise reizte, dass ich mich gezwungen sah, mich seiner zu entledigen.

Als ich mich im Keller des Hauses daran machte, einige Holzscheite für den Ofen zurechtzuhacken, betrachtete ich das Beil in meiner Hand einen Augenblick, legte dann die Scheite beiseite und ging nach oben. Der Alte saß gerade in seiner Stube, wie immer über ein altes Buch gebeugt. Als er meiner Gegenwart gewahr wurde, wollte er sich gerade umwenden, vermutlich, um mich wieder des Zimmers zu verweisen. Doch dazu kam es nicht mehr. Ließ ich doch das Beil wieder und wieder auf ihn hernieder fahren, bis von dem Alten nur noch blutige Fetzen übrig waren. Zwar ging ich noch immer davon aus, dass mein erster Mord an Stranyy meiner Fantasie entsprang, doch wenn hier doch etwas seltsames am Werk war, so wollte ich vorsorgen. So sammelte ich fein säuberlich die Überreste meines Opfers zusammen und vergrub sie abseits des Hauses. Diesmal machte ich mir nicht mehr die Mühe, nach dem Wälzer des Alten zu suchen. Ich wollte nur noch auf die Rückkehr der Seeleute warten, die in Anbetracht meines langen Aufenthalts nicht mehr fern sein konnte. Da ich im Zuge des blutigen Massakers jedoch in Erklärungsnot geraten würde und die Seeleute es wohl kaum schätzen würden, einen solch wohlhabenden Gönner zu verlieren und ich den Schatz, der mir die Freiheit hätte erkaufen können, nicht mein Eigen nannte, wollte ich meine Spuren, so gut es mir möglich war, verwischen. Akribisch säuberte ich das Haus und meine Kleidung.

Nach einer geruhsamen Nacht brach der neue Tag an und ich war gerade dabei mich anzukleiden, da hörte ich ein vertrautes Geräusch. Das leise Pfeifen war zurück. Panisch rannte ich in die Küche und zu meinem Entsetzen saß der Alte erneut auf seinem Stuhl. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, fuhr ich auf ihn nieder, legte meine Hände um seinen Hals und versuchte, so gut es mir gelingen konnte, das Leben und damit auch das elende Pfeifen aus seinem Leib zu pressen.

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Tatsächlich gelang es mir recht schnell, da der gebrechliche Mann kein Gegner für mich war. Diesmal warf ich den leblosen Körper in die tosende See. Im Verlaufe des Tages konnte ich meine Ruhe genießen. Am nächsten Morgen jedoch fand ich ihn erneut auf seinem Stuhl sitzend, als wäre nichts vorgefallen.

Die nächsten Tage verbrachte ich auf immer gleiche Weise. Zwar war ich an die Monotonie an diesem Ort bereits gewöhnt, doch wichen die täglichen Arbeiten im Haus nun einem konstanten Kreislauf aus der Ermordung und steten Rückkehr des Alten. Ich vergiftete, zerstückelte, erhängte und ertränkte ihn. Immer tiefer glitt ich ab in einen Zustand, den ich rückblickend nur als Wahnsinn bezeichnen kann. Wenngleich ich mich an genaueres nicht mehr erinnern kann, so habe ich am Ende jedoch sogar versucht, die Überreste meines Peinigers zu verschlingen, in der Hoffnung, er würde seinen Weg nicht mehr aus meinen Eingeweiden hinausfinden. Doch auch dies gelang nicht.

Dann irgendwann erfuhr ich einen Moment der Klarheit und eine einfache Erkenntnis machte sich in mir breit. Ich war offensichtlich geisteskrank und all die blutigen Eskapaden, denen ich mich hingab, waren nur Hirngespinste, geboren aus dem Geist einer Person, die nach so vielen Jahren der Maskeraden nicht mehr wusste wer sie war oder was sie tat. Da es offensichtlich war, dass ich eigentlich unfähig war, den Alten zu ermorden – anders konnte ich mir die Auswüchse meiner krankhaften Fantasien nicht erklären – musste ich eine andere Befreiung für meine gemarterte Seele finden.

Gefunden habe ich diese, als ich, versunken in der Anspannung alltäglicher Belanglosigkeit, das Mittagessen bereitete und mich in einem Moment der Unachtsamkeit in den Finger schnitt. Zunächst war ich erbost ob meines Missgeschicks. Doch als ich das Blut langsam aus der Wunde quellen sah, breitete sich in meinem Leib eine Form der Ruhe und Besinnung aus, wie ich sie an diesem Ort noch nicht erlebt hatte. Es schien, meine verdrehte Seele forderte blutige Gaben. Und da mir durchaus nicht mehr daran gelegen war, mich erneut jenem alten Kreislauf blutiger Mordfantasien hinzugeben, im Zuge derer ich kaum mehr ausmachen konnte, was Einbildung und was real war, so beschloss ich, dass es in Zukunft mein Blut sein sollte, das meiner Seele ein wenig Frieden bescheren würde.

Fortan fand ich meine Zuflucht auf diesem Wege in der liebenden Umarmung eben jenes Messers, welches ich zunächst in Gedanken in den Hals des Alten und später im Zuge eines Missgeschicks in meinen Finger trieb. All die Anspannung, der Hass, der Ekel und der Zorn verließen meinen Körper mit dem Blut, das von der feinen Klinge zutage gefördert wurde. Selbst das Jucken an meinem Hals schien mit der Anspannung zu schwinden.

So war ich bei Tag die brave Magd, die ihre Aufgaben versah. Und bei Nacht genoss ich den Kuss meines stählernen Gefährten, der meiner Seele Frieden brachte. Zunehmend mehrten sich die Narben auf meinem Körper und gaben mir Bestätigung über den Lauf der Zeit und meine eigene Existenz. Sie bildete ich mir nicht ein. Sie waren real.

Es war befreiend, in diesem Zustand der zwei Gesichter zu leben, und es wäre mir so ein Leichtes gewesen, bis zum Erscheinen der Seeleute zu warten und mit dem funkelnden Gold in meinen Taschen und den vernarbten Erinnerungen auf meinem Leib zu gehen. Ob der Alte sich meiner nächtlichen Umtriebe bewusst war, kann ich nicht wirklich sagen. Er verlor nie ein einziges Wort dazu. Doch bemerkte ich mehr als einmal, wie sein Blick missbilligend auf einzelnen Narben lag, die durch ein Verrutschen meines Kleids zutage traten. Ein Hindernis waren diese für mich jedoch keineswegs; nein, sie bestärkten mich noch in meinem Handeln.

Am heutigen Tage jedoch machte ich eine Entdeckung, die die Leichtigkeit meiner Existenz gleich einem Spiegel in tausend Teile zerbrach. Ich hatte das Abendessen zubereitet und spähte in die Stube, um den Alten mit süßen Worten zum abendlichen Mahl zu rufen. Da wandte sich Stranyy mir

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mit einem seltsam herausfordernden Blick zu und sagte, er würde gleich hinüberkommen. Dabei gab er kurioserweise den Blick auf den Wälzer frei, welcher aufgeschlagen vor ihm ruhte. Sofort erkannte ich den grünen Einband des Buches und mein Herz begann zu rasen, als ich die blutigen Spuren darauf bemerkte. Ging ich zunächst noch davon aus, dass ich mich in einem wilden Spiel wahnsinniger Fantasien verloren hatte, aus dem ich mich jedoch, wenn ich denn einstmals diesem Ort wieder entfliehen konnte, sicher irgendwie wieder herauswinden können würde, so verstörte mich die Alternative, dass ich durchaus bei klarem Verstand und alle Taten real gewesen waren, auf eine Weise, die es mir unmöglich machte, weiterhin an diesem Ort zu leben.

Und nun sitze ich hier, mit rasendem Herzen und versuche im bleichen Licht des Mondes diese Zeilen niederzuschreiben. Ich ertrage diesen Ort der verschwommenen Gedanken und die Gegenwart des Alten nicht mehr, der mich, ungesehen für meine Augen, doch konstant zu belauern scheint. Ja, selbst in diesem Augenblick fühle ich seinen durchdringenden Blick auf mir ruhen. Doch ich habe endlich einen Ausweg aus meiner schrecklichen Lage gefunden und allein die Genugtuung über das nahe Ende meiner Qual beschert mir die nötige Ruhe, um diese Zeilen niederzuschreiben. Die Seeleute werden nicht kommen. Den alten Stranyy kann ich nicht töten. So bleibt nur eine einzige Option – ich muss mich selbst aus diesem seltsamen Spiel entfernen, dessen Figur zu sein ich nicht mehr ertragen kann. Ich will jedoch nicht einfach so scheiden. Nein, werter Leser, zunächst muss ich dieses Vermächtnis meiner letzten Tage beenden. Dann werde ich meine Zeilen zwischen eben jener Ladung verstecken, welche die Seeleute einstmals wieder auf ihr Schiff laden werden. Hoffentlich wird eine gnädige Seele meine Worte entdecken.

Eine ganze Weile habe ich darüber nachgesonnen, wie es enden soll. In die rasenden Wellen zu springen, scheint mir keine Lösung. Vielleicht überlebe ich dies für eine Weile und muss noch mehr leiden. Auch ist mein Leib dann für immer verloren. Auch der Tod durch Gift war für mich in Ermangelung des rechten Werkzeugs zu schmerzhaft. Meinen stählernen Geliebten will ich nicht mit der Bürde meines Dahinscheidens belasten. Darum habe ich ein altes Seil, dass zwar durchaus schon alt und verbraucht aber dennoch robust genug zu sein scheint, aus dem Keller heraufgeholt. Auch wenn das Haus keinen geeigneten Ort für mich bietet, so hat doch jener elende Baum, den ich auch jetzt im Schein des Mondes dort draußen sehe, einen Ast, der tief genug liegt, damit ich ihn erreichen kann. Und mit meinem Leben wird auch endlich meine Pein und dieses furchtbare Jucken an meinem Hals enden, was nun stärker denn je zu sein scheint.

Mögen mein Leib und meine Worte ein Mahnmal für den Wahnsinn sein, der diesen Ort regiert. Auf dass niemand je wieder einen Fuß auf diesen verfluchten Flecken Erde setzen mag.

gezeichnet Lydia

die Maske